Schädel-Hirn-Trauma und direkte orale Antikoagulantien

SHTNotaufnahmen sind mit einer zunehmenden Anzahl an Patienten mit traumatischen Schädel-Hirntrauma konfrontiert, die direkte orale Antikoagulanzien (DOACs) einnehmen. Es besteht Unsicherheit über das Blutungsrisiko, die Rate der Hämatomausdehnung und die Wirksamkeit einer Antagonisierung bei diesen Patienten.

Santing AL, et al. TRAUMATIC BRAIN INJURY IN PATIENTS RECEIVING DIRECT ORAL ANTICOAGULANTS. J Emerg Med 2020, online 

Ziel dieser retrospektiven Studie war die Identifizierung des Risikos traumatischer hämorrhagischer Komplikationen bei Patienten mit Schädel-Hirntrauma, die DOACs einnahmen.

Methodik:

  • retrospektive Studie
  • Einschluss: Patienten mit Schädel-Hirntrauma unter DOAC-Einnahme
  • 01/2016- 10/2019, drei Notaufnahmen
  • alle Patienten erhielten eine zerebrale Computertomographie (CCT)

Ergebnisse:

  • insgesamt wurden n=316 eingeschlossen, davon 24 Patienten (7,6%) mit einem traumatischen intrakraniellen Hämatom (ICH)
  • n=7/316 (2,2%) erhielten eine Antagonisierung/Reversierung
  • n=1/316 (0,3%) erhielt einen neurochirurgischen Eingriff
  • bei 6/24 Patienten (25%) also 1,9% aller Patienten wurde ein Fortschreiten der Läsion beobachtet
  • mittlere Verweildauer: 6,5 Tagen
  • mittlere Glasgow Outcome Scale bei der Entlassung: 4
  • 1 Patient (0,3%) mit einer so rekrutierten ICH verstarb

Schlussfolgerung: Patienten mit Schädelhirntrauma unter DOACs haben ein geringes Risiko für eine ICH haben. Eine Hämatomprogression trat jedoch bei einer erheblichen Anzahl von Patienten auf.

Was haben wir daraus gelernt?

  1. Warum ist dieses Thema wichtig? Notfallmediziner müssen mit einer zunehmenden Anzahl von Patienten mit Schädel-Hirntrauma, die gleichzeitiger direkte orale Antikoagulanzien (DOACs) einnehmen, umgehen. Es besteht Ungewissheit über das Risiko unerwünschter Ergebnisse bei verletzten Patienten, die mit DOACs behandelt werden, im Vergleich zu Patienten, die Thrombozytenaggregationshemmer oder Vitamin-K-Agonisten verwenden.
  2. Was versucht diese Studie zu zeigen? In der Studie von Santing et al. wird versucht, die Häufigkeit traumatischer intrakranieller Blutungen, das Fortschreiten von Hämatomen, die Verwendung von Antagonisierungen, neurochirurgische Eingriffe und den Tod bei TBI-Patienten unter Verwendung von DOACs aufzuzeigen.
  3. Was sind die wichtigsten Ergebnisse? Die Ergebnisse der vorliegenden Studie deuten darauf hin, dass bei Patienten mit Schädel-Hirntrauma, die DOACs verwenden, die Inzidenz posttraumatischer intrakranialer Hämatome, die Mortalität und die Notwendigkeit einer DOAC-Anatgonisierung oder eines neurochirurgischen Eingriffs relativ niedrig sind. Eine Hämatomprogression trat jedoch bei einer erheblichen Anzahl von Patienten (25%) auf.
  4. Wie wird die Patientenversorgung beeinflusst? Das beobachtete geringe Risiko unerwünschter Ergebnisse bei TBI-Patienten, die mit DOACs behandelt werden, erfordert eine stärker Fokussierung auf die Entscheidungsfindung zur CCT-Diagnostik und den nachfolgendenBehandlungsstrategien, um unnötige Strahlenexpositionen und den Einsatz kostspieliger Antagonisierungsmittel zu begrenzen.

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