Top 10-Tipps für die Versorgung in der Notaufnahme

Die Top 10-Tipps für die Notaufnahme wurden von Maia Dorsett und KollegInnen aus Rochester, USA zusammengestellt,

Dorsett M et al. Bringing value, balance and humanity to the emergency department: The Right Care Top 10 for emergency medicine. Emerg Med J 2020;37:240–245. doi:10.1136/emermed-2019-209031

Hierzu zählen:

  • Vermeiden Sie weitere Tests jenseits von Anamnese, körperlicher Untersuchung, klinischer
    Präsentation und EKG bei Patienten, die ein minimales Risiko für ein akutes Koronarsyndrom (ACS) haben.
    Kliniker sollten befugt sein, nicht auf die Krankheit zu testen, die sie nicht vermuten.
  • Vermeiden Sie weitere Tests jenseits von Anamnese, körperlicher Untersuchung und klinischer Präsentationn bei Patienten, die ein minimales Lungenembolierisiko haben.
    Es ist ein umsichtiger Ansatz, der eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung wertschätzt, und bei Patienten, bei denen die klinische Präsentation ein minimales Risiko vermuten lässt, keine weiteren Tests durchführen lässt. Dies ist nicht nur angemessen, sondern führt auch zu einem allgemeinen Nutzen für die Bevölkerung.
  • Seien Sie vorsichtig mit dem Einsatz von Bildgebung, insbesondere fortgeschrittener Bildgebung, bei Traumapatienten.
    Die Ganzkörper-CT(WBCT)-Bildgebung ist mit Nachteilen verbunden, u.a. mit Kosten, erhöhter Strahlenexposition (insbesonders bei jungen Menschen, die einen höheren Anteil an Traumapatienten ausmachen), Verzögerungen bei der Versorgung anderer Notaufnahmepatienten, die auf eine CT Untersuchung warten, und zu häufigem Erkennen zufälliger, aber unwichtiger Befunde führt, die wiederum zu mehr Tests und Interventionen nach sich ziehen. Anstatt routinemäßige WBCT-Bildgebung durchzuführen, sollten Kliniker einen vernünftigeren Ansatz entwickeln, der auf der Anamnese und den Befunden der körperlichen Untersuchung basieren, insbesondere bei Patienten, die wach und nicht intoxikiert sind und beobachtet werden können.
  • Vermeiden Sie routinemäßige Laboruntersuchungen.
    Es gibt reichlich Beweise dafür, dass die routinemäßige Anwendung vieler Labortests für eine große Vielfalt von Notaufnahmepatienten nur einen geringen Nutzen hat und nicht kosteneffektiv ist. Die unreflektierte Anordnung eines „Routinelabors“ verursacht erhebliche Kosten und, was noch wichtiger ist, kann einen potenziellen Schaden durch nachgeschaltete Tests nach sich ziehen, ohne dass es Belege dafür gibt, dass dadurch diese das Behandlungsergebnis verbessert werden kann.
  • Berücksichtigen Sie nicht-medizinische Gründe für die Vorstellung eines Patienten in der Notaufnahme. 
    Patienten können an einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, die Folge davon ist, dass sie Zeuge von Gewalt in ihrem Heimatland geworden sind, oder dass sie aufgrund ihres Einwanderungsstatus wirtschaftlich abhängig sind. In einem interdisziplinären Team mit Sozialarbeitern, medizinischen Sachbearbeitern und Partnern in der Gemeinde können Patienten mit geeigneten Ressourcen in Verbindung gebracht werden. Zu den erfolgreichen Beispielen für eine Notaufnahme-basierte Bewältigung unbefriedigter sozialer Bedürfnisse gehören krankenhausbasierte Gewaltinterventionsprogramme u.a.
  • Passen Sie die Intensität der Versorgung an die Ziele des Patienten an.
    Hierbei ist beispielsweise die Integration von Palliativteams in die Versorgung gemeint.
  • Gegebenenfalls gemeinsame Entscheidungsfindung (SDM) einsetzen.
    Schliessen Sie den Patienten in die weitere Entscheidungsfindung mit ein.
  • Wenn Sie eine Intervention verschreiben, bemühen Sie sich sicherzustellen, dass der Patient in der Lage ist die empfohlene Therapie auch wahrzunehmen. 
    Regelmässig werden Patienten für eine mangelnde Adhärenz zu Behandlungsempfehlungen verantwortlich gemacht und dann mit dem abwertenden Begriff „non-compliant“ gekennzeichnet. Möglicherweise war der Patient aber aufgrund unterschiedlicher Aspekte (z.B. kein Zugang zur medizinischer Versorgung, kein Geld, kein Transport) gar nicht in der Lage die Empfehlungen umzusetzen. Hier können Sozialdienste helfen die ambulante Versorgung zu optimieren.
  • Maßgeschneiderte Entlassungsanweisungen und Nachsorgeempfehlungen für den einzelnen Patienten.
    Entlassungsanweisungen sind häufig standardisiert und an Pflege- oder ärztliches Personal gerichtet. Infolgedessen verlassen viele Patienten die Notaufnahme mit wenig Verständnis für ihre Diagnose, ihren Pflegeplan, den spezifischen Zeitrahmen für die Nachsorge (falls erforderlich) oder was zu tun ist, wenn sich ihr Zustand ändert, verschlechtert oder sich nicht verbessert.
  • Seien Sie ein Fürsprecher.
    Die traditionelle medizinische Ausbildung betont die Bedeutung der Interessenvertretung für die Patientenversorgung, aber diese beschränkt sich weitgehend auf die Grenzen eines Krankenhauses oder einer Klinik. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Patienten beginnt jedoch außerhalb der Grenzen des Krankenhauses, mit Maßnahmen für die öffentliche Sicherheit, stabilen Wohnverhältnissen, Ernährungssicherheit, Zugang zu Präventivmedizin und der Begrenzung der Gewalteinwirkung. Ärzte in der Notaufnahme sind tagtäglich Zeugen der nachgeschalteten Auswirkungen staatlicher Politik, die sich nicht nur auf die sozialen Determinanten der Gesundheit auswirken, sondern auch finanzielle Anreize für die Behandlung von Folgeerkrankungen statt für die Prävention von Krankheiten bieten. Als solche haben wir die Pflicht, über die Grenzen der Krankenhäuser hinauszugehen, um die Öffentlichkeit aufzuklären und uns für eine Politik einzusetzen, die die Gesundheit unserer Gesellschaft verbessert.

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