{"id":600,"date":"2016-02-29T05:35:10","date_gmt":"2016-02-29T04:35:10","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=600"},"modified":"2016-03-05T15:54:38","modified_gmt":"2016-03-05T14:54:38","slug":"desaturierung-wie-haeufig-wie-verhindern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=600","title":{"rendered":"Desaturierung &#8211; Wie h\u00e4ufig, wie verhindern?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"604\" data-permalink=\"https:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=604\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Desaturierung.png?fit=567%2C401&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"567,401\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Desaturierung\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Desaturierung.png?fit=567%2C401&amp;ssl=1\" class=\"size-medium wp-image-604 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Desaturierung.png?resize=300%2C212\" alt=\"Desaturierung\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Desaturierung.png?resize=300%2C212&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/Desaturierung.png?w=567&amp;ssl=1 567w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>In Notfallsituationen treten nicht selten im Rahmen der Einleitung einer Notfallnarkose und Durchf\u00fchrung einer Rapid Sequence Induction (RSI) Komplikationen auf. Eine der h\u00e4ufigsten Komplikationen ist die <strong>Desaturierung<\/strong>, also der Abfall der pulsoxymetrischen Sauerstoffs\u00e4ttigung unter ein bestimmtes Niveau.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber wie viele Patienten starten bereits mit einer schlechten Sauerstoffs\u00e4ttigung in die notfallm\u00e4ssige Atemwegssicherung bzw. wie viele Patienten erleiden eine Desaturierung und Hypox\u00e4mie unter der Intubation?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Jerry B. Bodily<\/strong> et al. untersuchten diese Frage nun in einer retrospektiven Analyse prospektiv evaluierter Daten im\u00a0<strong><a href=\"http:\/\/emed.unm.edu\" target=\"_blank\">Emergency Department<\/a> <\/strong>der\u00a0Universit\u00e4t des New Mexico Health Sciences Center, Albuquerque, USA:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Bodily JB, et al.\u00a0Incidence and Duration of Continuously Measured Oxygen\u00a0Desaturation During Emergency Department Intubation.\u00a0<strong>Ann Emerg Med<\/strong>\u00a02016; 67: 389-395<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bodily et al.<\/strong> untersuchten in einer universit\u00e4ren Notfallaufnahme\u00a0(Level I-Traumazentrum) alle RSI\u00a0bei erwachsenen Patienten. Zur Anwendung kam hierbei eine kontinuierliche Erfassung der Vitalwerte (BedMasterEX). Die Definition der Desaturierung war ein pulsoxymetrische Sauerstoffs\u00e4ttigung (SpO2) von &lt;90%. Dabei wurden zwei Patientengruppen unterschieden:\u00a0Gruppe 1) Patienten mit einer SpO2\u00a0\u226590% vor Einleitung, und Gruppe\u00a02) Patienten mit einem SpO2&lt;90%\u00a0vor Einleitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Pr\u00e4oxygenierung der Notfallpatienten in der vorliegenden Untersuchung erfolgte mittels Sauerstoffapplikation mittels 12-15 l O2\/min. Eine apnoeische (passive) Oxygenierung wurde nicht durchgef\u00fchrt.\u00a0Von insgesamt 265 erfassten RSI\u00a0konnten nur 166 einer Auswertung\u00a0(62,6%) zugef\u00fchrt werden, da in 99 F\u00e4llen eine unzureichende Pulsoxymetriekurve, inad\u00e4quate Dokumentation oder fehlende Messwerte bestanden, oder aber die RSI durch An\u00e4sthesisten durchgef\u00fchrt worden waren. Der Ausschluss von Patienten mit unszureichender Pulsoxymetriekurve oder fehlenden Messwerten k\u00f6nnte allerdings auch einen erheblichen Bias bedeuten, da eine unzureichende hypotensionbedingte Perfusion nicht ausschlie\u00dft, dass diese Patienten auch hypox\u00e4misch waren. Somit k\u00f6nnte der tats\u00e4chliche Anteil an desaturierten Patienten noch h\u00f6her gewesen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach der Pr\u00e4oxygenierung vor Narkoseanleitung lag bei 75% aller Patienten (124\/166) eine SpO2 \u226593% vor. Der First-Pass Success (Intubation im 1. Versuch erfolgreich) betrug 75%. 16% ben\u00f6tigten 2, 6% 3 und 3% &gt;3 Intubationsversuche. In 4 Patienten kam es w\u00e4hrend der Atemwegssicherung zu einem Herzkreislaufstillstand, wobei bei allen Patienten ein ROSC erreicht werden konnte. In 35,5% der Notfallpatienten (59\/166) kam es im Rahmen der RSI dann zu einer Desaturierung, die im Median 80 sec. anhielt (IQR: 40-155 sec.).\u00a0In Gruppe 1) wiesen 40\/139 Patienten \u00a0(28,8%) und\u00a0in Gruppe 2) 19\/28 Patienten (67,9%)\u00a0eine Desaturierung auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine multivariable Regressionsanalyse zeigte, dass Desaturierung (SpO2&lt;90%) in folgenden Situationen auftraten:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>vorbestehende Sauerstoffs\u00e4ttigung (SpO2) &lt;93% vor Narkoseeinleitung<\/strong> (OR: 5,1, 95%CI: 2,3-11,0)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>multiple Intubationsversuche<\/strong> (&gt;1 Intubationsversuch: OR: 3,4, 95%CI: 1,4-6,1)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Intubationsdauer bis zur erfolgreichen Atemwegssicherung &gt;3 min<\/strong> (OR: 2,7, 95%CI: 1,2-6,1)<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kernaussage:<\/strong> Im Rahmen einer notfallm\u00e4ssigen Narkoseeinleitung (RSI) tritt eine Desaturierung in 1\/3 der F\u00e4lle auf. Hier m\u00fcssen Massnahmen zur Verhinderung einer Hypoxie getroffen werden.<\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Desaturierungen gehen mit der Gefahr von Rhythmusst\u00f6rungen, Hypotensionen, hypoxischen Hirnsch\u00e4digungen und Herzkreislaufstillst\u00e4nden einher. Leitlinien empfehlen daher die Vermeidung einer Desaturierung (SpO2) &lt;90%, insbesondere bei Patienten mit Sch\u00e4del-Hirntrauma. Die Rate an Desaturierungen\u00a0im Rahmen der\u00a0Narkoseeinleitung bei Notfallpatienten\u00a0in\u00a0vorhergehenden Studien schwankt stark zwischen 0,2-57%. Hierbei ist insbesondere zu bemerken, dass kaum Untersuchungen mit kontinuierlichen Sauerstoffmessungen durchgef\u00fchrt wurden. <strong>Matthias\u00a0Helm et al. <\/strong>(<strong><em>Acta Anaesthesiol Scand\u00a0<\/em><\/strong><em>2013; 57: 199-205)<\/em> untersuchten diese Desaturierung mittels kontinuierlicher Messung im pr\u00e4hospitalen Umfeld im Luftrettungsdienst und detektierten\u00a0eine Desaturierung (SpO2&lt;90%) in 13,3% (20\/150 Pat.) mit einer Dauer von 50 sec. im Median. Dabei muss aber konstatiert werden, dass es sich hierbei um ein von Fach\u00e4rzten f\u00fcr An\u00e4sthesiologie besetztes Luftrettungsmittel mit einer sehr hohen Expertise handelte und damit nicht vergleichbar ist zu dem Anwenderkollektiv in der hier betrachteten Studie von Bodily et al. Auf der anderen Seite berichten <strong>Dunford et al.<\/strong>\u00a0(<em><strong>Ann Emerg Med<\/strong>\u00a02003; 42: 721\u2013728)\u00a0<\/em>\u00fcber die Rapid-Sequence-Induction durch Paramedics mit einer Desaturierungsrate von 57%! Die Qualifikation der Anwender scheint also wesentlichen Einfluss auf diesen Aspekt zu nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfe St\u00e4rke der hier gezeigten Studie ist die Verwendung einer kontinuierlichen Messung der Sauerstoffs\u00e4ttigung, die als deutlich genauer angenommen werden kann als eine Dokumentation durch den Anwender selbst (reporting bias). In der vorliegenden Untersuchung konnte bei 25% aller Patienten vor Narkoseeinleitung durch eine &#8222;herk\u00f6mmliche&#8220; Pr\u00e4oxygenierung keine Sauerstoffs\u00e4ttigung (SpO2) \u226593% erreicht werden. F\u00fcr diese Patientengruppe bestand ein 5-fach erh\u00f6htes Risiko einer weiteren Desaturierung w\u00e4hrend der Narkoseeinleitung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Wie kann man eine Desaturierung nun effektiv vermeiden?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Pr\u00e4oxygenierung in geeigneten F\u00e4llen mittels nicht-invasiver Beatmung<\/strong><br \/>\n<em>(s.\u00a0Weingart S, et al.\u00a0<strong><span class=\"jrnl\" title=\"Annals of emergency medicine\">Ann Emerg Med<\/span>\u00a0<\/strong>2012; 59: 165-175,\u00a0Weingart S, \u00a0et al.\u00a0<strong><span class=\"jrnl\" title=\"Annals of emergency medicine\">Ann Emerg Med<\/span><\/strong>\u00a02015; 65 :349-355)*<\/em><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Strategien zur Erh\u00f6hung des First-pass success und kurzer Intubationszeiten \/ Routine der Durchf\u00fchrenden<\/strong><br \/>\n<em>(s. Bernhard M, et al. <strong>Anesth Analg<\/strong> 2015; 121: 1389-1393)<\/em><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Oberk\u00f6rperhochlagerung und &#8222;Schn\u00fcffelposition&#8220;<\/strong><br \/>\n<em>(s. Khanderwal et al. <strong>Anesth Analg<\/strong>\u00a02016, DOI: 10.1213\/ANE.0000000000001184)*<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">*wenn keine Kontraindikationen bestehen.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><em>Bernhard M, et al. \u00a0The First Shot Is Often the Best Shot: First-Pass Intubation Success in Emergency Airway Management\u00a0<strong>Anesth Analg<\/strong> 2015; 121: 1389-93.<\/em><\/li>\n<li><em>Dunford JV, Davis DP, Ochs M, Doney M, Hoyt DB. Incidence of transient hypoxia and pulse rate reactivity during paramedic rapid sequence intubation. <strong>Ann Emerg Med<\/strong> 2003; 42: 721\u2013728<\/em><\/li>\n<li><em>Helm M, et al. \u00a0Incidence of transient hypoxia during pre-hospital rapid sequence intubation by anaesthesiologists.\u00a0<strong>Acta Anaesthesiol Scand<\/strong>\u00a02013; 57: 199-205<\/em><\/li>\n<li><em>Khanderwal et al. Head-Elevated Patient Positioning Decreases Complications of Emergent Tracheal Intubation in the Ward and Intensive Care Unit.\u00a0<strong>Anesth Analg<\/strong>\u00a02016, DOI: 10.1213\/ANE.0000000000001184<\/em><\/li>\n<li><em>Weingart S, et al.\u00a0<span class=\"highlight\">Preoxygenation<\/span>\u00a0and prevention of desaturation during emergency airway management.\u00a0<strong><span class=\"jrnl\" title=\"Annals of emergency medicine\">Ann Emerg Med<\/span>\u00a0<\/strong>2012; 59: 165-175<\/em><\/li>\n<li><em>Weingart S, \u00a0et al.\u00a0Delayed sequence intubation: a prospective observational study.\u00a0<strong><span class=\"jrnl\" title=\"Annals of emergency medicine\">Ann Emerg Med\u00a0<\/span><\/strong>2015; 65: 349-355<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Notfallsituationen treten nicht selten im Rahmen der Einleitung einer Notfallnarkose und Durchf\u00fchrung einer Rapid Sequence Induction (RSI) Komplikationen auf. 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