{"id":466,"date":"2016-03-12T05:42:18","date_gmt":"2016-03-12T04:42:18","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=466"},"modified":"2016-03-06T11:08:52","modified_gmt":"2016-03-06T10:08:52","slug":"lagerung-zur-notfallintubation-alter-wein-in-neuen-schlaeuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=466","title":{"rendered":"Lagerung zur Notfallintubation: Alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"523\" data-permalink=\"https:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=523\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?fit=946%2C800&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"946,800\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"BUHE2A\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?fit=946%2C800&amp;ssl=1\" class=\"size-medium wp-image-523 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?resize=300%2C254\" alt=\"BUHE2A\" width=\"300\" height=\"254\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?resize=300%2C254&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?resize=768%2C649&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?resize=750%2C634&amp;ssl=1 750w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/BUHE2A.jpg?w=946&amp;ssl=1 946w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das die Atemwegssicherung\u00a0ausserhalb des Operationssaals risikobehaftet ist, insbesondere in wenig standardisierten Notfallsituationen, wissen wir schon lange, sp\u00e4testens seit den exzellenten Ver\u00f6ffentlichungen zur Closed Claim Analyse (<em>Peterson GN, et al. <strong>Anesthesiology<\/strong> 2005; 103: 33-39<\/em>) und des 4th National Audit Project (NAP4) des Royal College of Anesthetists und der Difficult Airways Society (<em>Cook TM, et al.\u00a0<strong>BJA<\/strong> 2011; 106: 632-642<\/em>).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Notfallsituationen treten neben einer schwierigen Intubationssituation und auch andere Atemwegsmanagement-assoziierte Komplikationen im Vergleich zur elektivem Narkoseeinleitung h\u00e4ufiger auf, hierzu z\u00e4hlen u.a.: Hypox\u00e4mien\/Desaturierungen, Hypotensionen, \u00f6sophageale Fehlintubationen und Aspirationen. Eine der wichtigsten Ziele einer Einleitung einer Notfallnarkose und notfallm\u00e4ssigen Atemwegssicherung ist es aber genau diese Komplikationen zu verhindern (s. S1 Leitlinie Notfallnarkose). Vor diesem Hintergrund wurde nun die retrospektive monozentrische Untersuchung von Nita Khanderwal et al. aus Washington\/USA durchgef\u00fchrt:<\/p>\n<blockquote><p><em>Khanderwal N, et al. <\/em><em>Head-Elevated Patient Positioning Decreases Complications of Emergent Tracheal Intubation in the Ward and Intensive Care Unit. <strong>Anesth Analg<\/strong> 2016, DOI: 10.1213\/ANE.0000000000001184<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Oberk\u00f6rperhochlagerung und Positionierung des Patientenkopfes in der \u201eSchn\u00fcffelposition\u201c wurde bereits 1970 von den mittlerweile ber\u00fchmten An\u00e4sthesisten <strong>Stept <\/strong>und<strong> Safar<\/strong> beschrieben (<strong><em>Anesth Analg<\/em><\/strong><em> 1970; 49: 633\u2013636<\/em>). Vorangegangen waren Arbeiten von ebenso namhaften Autoren wie <strong>Sir Ivan Magill<\/strong> (<em><strong>Am J Surg<\/strong> 1936: 34: 450-455<\/em>) und <strong>Bannister<\/strong> und <strong>Macbeth<\/strong> (<em><strong>Lancet<\/strong> 1944;\u00a0244:651\u2013654<\/em>). Ziel der Oberk\u00f6rperhochlagerung ist\u00a0die Risikoreduktion der Regurgitation (passives Zur\u00fccklaufen von Magensekret) und die Optimierung der Pr\u00e4oxgenierung, um die Apnoetoleranz, also das Zeitintervall bis zur Desaturierung zu verbessern. Dar\u00fcber hinaus sollte die Lagerung des Kopfes in die \u201eSchn\u00fcffelposition\u201c die optische Achse und damit die Einstellbarkeit der Stimmbandebene verbessern und so die endotracheale Intubation erleichtern. Obwohl dieses Konzept nun schon seit 40 Jahren bekannt ist, gibt es leider bislang wenige Daten, die die Effektivit\u00e4t dieses Vorgehen belegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der hier vorgestellten retrospektiven Untersuchungen von <strong>Nita Khanderwal et al.<\/strong> wurden alle Intubationsvorg\u00e4nge im Rahmen von Notfallnarkosen eingeschlossen, die au\u00dferhalb des Operationssaals stattfanden. Ausgeschlossen wurden Patienten im Alter &lt;18 Jahren, Patienten im Herzkreislaufstillstand, Patienten, die im Emergency Department intubiert wurden und bei denen initial ein anderes Verfahren zur Atemwegssicherung als die direkte Laryngoskopie zum Einsatz kam (z.B. Videolaryngoksop, Fieberoptik). Verglichen wurde die Anwendung einer 30\u00b0-Oberk\u00f6rperhochlagerung und Kopfpositionierung in der \u201eSchn\u00fcffelposition\u201c [<strong>\u201eback-up head elevated\u201c (BUHE)-Position<\/strong>, s. Abbildung] gegen eine normale R\u00fcckenlagerung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt wurden 528 Patientenereignisse betrachtet, davon wurden 336 Patienten in normaler R\u00fcckenlage und 192 Patienten in BUHE-Position intubiert. Einen vorhergesagt schwierigen Atemweg nach MACOCHA-Score (\u22653) hatten 15% aller Patienten. Hinsichtlich einer Hypox\u00e4mie mit einer SpO2 &lt;80% (9,4 vs. 6,8%, p=0,43) vor der Intubation und dem Anteil an Patienten mit eingeschr\u00e4nkter HWS-Beweglichkeit (10,1 vs. 19,3%, p=0,1) fand sich kein Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Jedoch wiesen mehr Patienten in der BUHE-Gruppe einen GCS &lt;8 (15,1 vs. 29,3, p=0,04) auf und mehr Patienten in dieser Gruppe wurden durch erfahrene Anwender (66 vs. 93, &lt;0,01) intubiert.<br \/>\nAtemwegsmanagement-assoziierte Probleme traten bei Patienten in R\u00fcckenlage bei 76\/336 (22,6%) im Vergleich zu 18\/192 (9,3%) in der BUHE-Position auf. W\u00e4hrend die Art der Lagerung keine Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit einer schwierigen Intubationssituation hatte (OR: 0,88, 95%CI: 0,24-3,21, p=0,848) war das Risiko auf Atemwegs-assoziierte Komplikationen auch unter Ber\u00fccksichtigung einer Adjustierung nach Gewicht und schwierigem Atemweg in der BUHE-Position im Vergleich zur R\u00fcckenlagerung deutlich reduziert (OR: 0,41, 95%CI: 0,22-0,76, p=0,005). Dabei traten Hypox\u00e4mien (17 vs. 6,3%) und Aspirationen (2,3 vs. 1,0%) signifikant seltener auf. Hypotensionen traten in beiden Gruppen gleich h\u00e4ufig auf (15,8 vs. 16,1%).<\/p>\n<p>Die Autoren schlussfolgerten aus ihrer Studie:<\/p>\n<ul>\n<li>BUHE-Position f\u00fchrte zu weniger Atemwegsmanagement-assoziierten Komplikationen<\/li>\n<li>BUHE-Position konnte Hypox\u00e4mien und Aspirationen verhindern<\/li>\n<li>Unterschiede hinsichtlich der Einstellbarkeit der Stimmbandebene fanden sich nicht<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich hat die Studie auch zahlreiche Limitation, angefangen mit dem retrospektiven Studiendesign. Retrospektive Studien k\u00f6nnen zwar Assoziationen aufzeigen, aber keine kausalen Zusammenh\u00e4nge. Problematisch ist auch die Selbstberichterstattung (Dokumentation durch die Anwender), da m\u00f6glicherweise \u201ebewusst\u201c Komplikationen unterschlagen worden sein k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus wurden Patienten, bei denen zum ersten Intubationsversuch eine Videolaryngoskopie zur Anwendung kam, ausgeschlossen. Patienten, bei denen im Verlauf im Rahmen des Management eines schwierigem Atemwegs eine Videolaryngoskopie eingesetzt wurde, blieben hingegen ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kernaussage:<\/strong> <em>Die BUHE-Position sollte \u2013 wenn keine Kontraindikationen bestehen (z.B. Hypotension) \u2013 eingesetzt werden, um Komplikationen bei der notfallm\u00e4\u00dfigen Atemwegssicherung zu reduzieren.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><strong>Weiterf\u00fchrende Literatur:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Akihisa Y, et al. Effects of sniffing position for tracheal intubation: a meta-analysis of randomized controlled trials. <strong>Am J Emerg Med<\/strong> 2015; 33: 1606-1611<\/li>\n<li>Bannister FB, Macbeth RG. Direct laryngoscopy and tracheal intubation. <strong>Lancet<\/strong> 1944; 244: 651\u2013654<\/li>\n<li>Cook TM, et al.\u00a0Major complications of airway management in the UK: results\u00a0of the Fourth National Audit Project of the Royal College of\u00a0Anaesthetists and the Difficult Airway Society. Part 2: Intensive care and emergency departments.\u00a0<strong>BJA<\/strong>\u00a02011; 106: 632-642<\/li>\n<li>Magill\u00a0IW. Endotracheal anesthesia.\u00a0<em><strong>Am J Surg<\/strong>\u00a01936: 34: 450-455<br \/>\n<\/em>Peterson GN, et al.\u00a0Management of the difficult airway: a closed claims analysis. <strong>Anesthesiology<\/strong> 2005; 103: 33-39<\/li>\n<li>Stept WJ, Safar P. Rapid induction-intubation for prevention of gastric-content aspiration. <strong>Anesth Analg<\/strong> 1970;49:633\u2013636<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das die Atemwegssicherung\u00a0ausserhalb des Operationssaals risikobehaftet ist, insbesondere in wenig standardisierten Notfallsituationen, wissen wir schon lange, sp\u00e4testens seit den exzellenten Ver\u00f6ffentlichungen zur Closed Claim Analyse (Peterson GN, et al. Anesthesiology [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":809,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"__cvm_playback_settings":[],"__cvm_video_id":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"_wpas_customize_per_network":false},"categories":[49],"tags":[87,19,88,76,77,86],"class_list":["post-466","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-notfallnarkose","tag-aspiration","tag-atemwegssicherung","tag-buhe-position","tag-desaturierung","tag-hypoxie","tag-lagerung"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Bildschirmfoto-2016-03-05-um-18.07.22.png?fit=1280%2C856&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7fR2g-7w","jetpack-related-posts":[{"id":11415,"url":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=11415","url_meta":{"origin":466,"position":0},"title":"Pr\u00e4hospitale Intubation beim Trauma-Patienten \u2013 die unendliche Diskussion","author":"Bj\u00f6rn Hossfeld","date":"April 30, 2020","format":false,"excerpt":"Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz: Eines der meist diskutierten Themen in der pr\u00e4hospitalen Notfallmedizin ist der Nutzen der pr\u00e4hospitalen trachealen Intubation beim nicht-reanimationspflichtigen Trauma-Patienten. 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