{"id":3756,"date":"2017-01-26T04:36:12","date_gmt":"2017-01-26T03:36:12","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=3756"},"modified":"2017-01-24T16:59:53","modified_gmt":"2017-01-24T15:59:53","slug":"wirbelsaeulenimmobilisation-neue-norwegische-empfehlung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=3756","title":{"rendered":"Wirbels\u00e4ulenimmobilisation &#8211; Neue norwegische Empfehlung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern, Schweiz:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"3760\" data-permalink=\"https:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=3760\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Bildschirmfoto-2017-01-24-um-16.41.09-e1485272504188.png?fit=400%2C146&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"400,146\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Bildschirmfoto 2017-01-24 um 16.41.09\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Bildschirmfoto-2017-01-24-um-16.41.09-e1485272504188.png?fit=400%2C146&amp;ssl=1\" class=\"size-medium wp-image-3760 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/Bildschirmfoto-2017-01-24-um-16.41.09.png?resize=300%2C110\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"110\" \/>Die Praxis der Wirbels\u00e4ulenimmobilisation bei Traumapatienten unterlag in den vergangenen Jahren einer stetigen Diskussion hin bis zu einem deutlichen Wandel. W\u00e4hrend man fr\u00fcher sehr gro\u00dfz\u00fcgig von einer Verletzung der Wirbels\u00e4ule ausging und die Patienten mit Halswirbels\u00e4ulenimmobilisationsschiene versehen und in eine Vakuummatratze \u201eeingepackt\u201c oder auf Spineboards \u201egeschnallt\u201c hat, h\u00e4uften sich die Hinweise \u00fcber eine mangelnde Effektivit\u00e4t sowie m\u00f6gliche sch\u00e4dliche \u201eNebenwirkungen\u201c dieser Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kornhall und Kollegen<\/strong> ver\u00f6ffentlichten im <strong>Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine<\/strong> die norwegischen Leitlinien zur spinalen Immobilisation beim Traumapatienten:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Kornhall, D. K., J\u00f8rgensen, J. J., Brommeland, T., Hyldmo, P. K., Asbj\u00f8rnsen, H., Dolven, T., et al. <\/strong><strong>The Norwegian guidelines for the prehospital management of adult trauma patients with potential spinal injury. <em>Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine<\/em>, 2007; 25:2 \u00a0http:\/\/doi.org\/10.1186\/s13049-016-0345-x (<a href=\"http:\/\/download.springer.com\/static\/pdf\/566\/art%253A10.1186%252Fs13049-016-0345-x.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Flink.springer.com%2Farticle%2F10.1186%2Fs13049-016-0345-x&amp;token2=exp=1485274457~acl=%2Fstatic%2Fpdf%2F566%2Fart%25253A10.1186%25252Fs13049-016-0345-x.pdf%3ForiginUrl%3Dhttp%253A%252F%252Flink.springer.com%252Farticle%252F10.1186%252Fs13049-016-0345-x*~hmac=1d52e237abf5ff9002071f18b50c5c962c871e7905751073bafb72ec0e47c855\" target=\"_blank\">PDF<\/a>)<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse des interdisziplin\u00e4ren Konsensusprozesses bestehend aus Neurochirurgen, Unfallchirurgen, An\u00e4sthesisten und Notfallmedizinern beruhend auf einer systematischen Recherche und Evaluation der Literatur (63 Originalarbeiten und 6 systematische Reviews) lassen sich wie folgt zusammenfassen:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Patienten mit einer m\u00f6glichen Wirbels\u00e4ulenverletzung sollten mit <strong>\u201eminimal handling\u201c<\/strong> behandelt und achsengerecht immobilisiert werden. (Evidenz: sehr gering, Empfehlung: stark.)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Wirbels\u00e4ulenimmobilisation darf <strong>niemals lebensrettende Ma\u00dfnahmen<\/strong> wie das Atemwegsmanagement, die Blutungskontrolle oder die Kreislaufstabilisierung <strong>verz\u00f6gern<\/strong>. Auch darf es durch langwierige Immobilisationsma\u00dfnahmen beim h\u00e4modynamisch instabilen Patienten oder z.B. beim schweren Sch\u00e4del-Hirntrauma nicht zu einer Verz\u00f6gerung des Transports ins Traumazentrum kommen \u00a0(Kreinest et al. 2016, s.u.).\n<ul>\n<li>Das Erkennen des lebensbedrohlich verletzten Traumapatienten erfordert viel klinische Erfahrung. Daher bieten die Autoren auch hier eine <strong>\u201eFaustregel\u201c: Als \u201einstabil\u201c sei ein Patient zu beurteilen<\/strong> mit\n<ul>\n<li>einer Atemfrequenz &lt;10\/min oder &gt;30\/min oder<\/li>\n<li>einer Herzfrequenz &gt;120\/min oder<\/li>\n<li>fehlenden Radialispulsen oder<\/li>\n<li>fehlender motorischer Reaktion auf Aufforderung<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Patienten mit <strong>isoliertem penetrierendem Trauma<\/strong> sollten <strong>nicht immobilisiert<\/strong> werden.<br \/>\n(Evidenz: moderat, Empfehlung: stark.)<\/li>\n<li style=\"list-style-type: none; text-align: justify;\"><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\"><strong>Klare Triagekriterien zur Immobilisation<\/strong> des Patienten basierend auf den klinischen Befunden sollten implementiert werden.<br \/>\n(Evidenz: moderat, Empfehlung: stark.)<br \/>\nAuch wenn die NEXUS- und die Canadian-C-Spine-Rules entworfen wurden, um die Notwendigkeit einer klinischen Bildgebung zu definieren, w\u00fcrden sich diese Kriterien in Ermangelung besserer Kriterien auch f\u00fcr die pr\u00e4hospitale Situation eignen, um \u00fcber die Notwendigkeit einer WS-Immobilisation zu entscheiden. Die norwegischen Leitlinien empfehlen daher die <strong>Anwendung der NEXUS-Kriterien:<\/strong>\u00a0Bei fehlender Druckempfindlichkeit (bei Palpation), fehlendem fokalen neurologischen Defizit, normaler Bewusstseinslage (also GCS=15), fehlender relevanter Intoxikation (mit Alkohol oder Drogen) und dem Fehlen von \u201eablenkenden\u201c Verletzungen k\u00f6nne demnach auf eine WS-Immobilisation verzichtet werden.<\/li>\n<li style=\"list-style-type: none; text-align: justify;\"><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die HWS-Immobilisation sollte durch <strong>manuelle in line-Stabilisation (MILS)<\/strong>, Head blocks, feste Halskragen oder einer Kombination daraus erfolgen. (Evidenz: sehr gering.)<br \/>\nKeine der Methoden zeige eine klinische \u00dcberlegenheit hinsichtlich der Immobilisation der HWS. Die Rettung aus dem Fahrzeug sowie der Transport k\u00f6nnten auch nur unter MILS oder durch Immobilisation mit Head blocks erfolgen.<\/li>\n<li style=\"list-style-type: none; text-align: justify;\"><\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der <strong>Transfer<\/strong> des Patienten auf die Rettungsdienst-Trage und von dieser Trage auf den Stretcher in der Notaufnahme\u00a0solle <strong>per Schaufeltrage<\/strong> erfolgen. (Evidenz: sehr gering.)<br \/>\nLog roll-Man\u00f6ver zeigten in einigen Untersuchungen eine signifikante Bewegung in der Wirbels\u00e4ule. Ein Log roll-Man\u00f6ver sollte daher auf den innerklinischen Bereich mit hohen personellen Ressourcen und dem Drehman\u00f6ver auf einer horizontalen und ebenen Unterlage beschr\u00e4nkt werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Patienten mit m\u00f6glicher Wirbels\u00e4ulenverletzung sollten auf einer <strong>Vakuummatratze<\/strong> transportiert werden. Eine Immobilisation mit harter Liegefl\u00e4che (Spineboard, Schaufeltrage) k\u00f6nne zu Lagerungssch\u00e4den f\u00fchren und sollte nur f\u00fcr sehr kurze Transportzeiten erfolgen. Letztere sollten nur zur Rettung des Patienten dienen. (Evidenz: sehr gering.)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Patienten k\u00f6nnten unter gewissen Umst\u00e4nden aufgefordert werden, sich selbst aus dem Fahrzeug zu befreien (<strong>\u201eself extraction\u201c<\/strong>). (Evidenz: sehr gering.)<br \/>\n2 experimentelle Studien zeigten mit dieser Methode eine verbesserte Stabilit\u00e4t der Wirbels\u00e4ule im Vergleich zur externen Stabilisierung. Die sei jedoch nur beim wachen Patienten ohne \u201eablenkende\u201c Verletzung empfohlen im Sinne einer Nutzung des Patienten-eigenen Muskeltonus zur optimalen Stabilisierung der Wirbels\u00e4ule.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><strong>Diskussion<\/strong><\/p>\n<p>Sicher k\u00f6nnen die Empfehlungen nicht einfach unkritisch und unreflektiert auf Deutschland \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Unbedingt beachtet werden muss, dass es in Deutschland \u00e4rztliche Aufgabe ist, im pr\u00e4hospitalen Bereich Verletzungen auszuschlie\u00dfen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die im Paper zitierten Arbeiten beschreiben zum gro\u00dfen Teil das Vorgehen von speziell auf die Triage von Wirbels\u00e4ulenverletzungen trainierten Paramedics. Das hei\u00dft auch, das Not\u00e4rzte f\u00fcr die Triage fundiert (und besser als bisher) ausgebildet und trainiert sein m\u00fcssen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen diese Empfehlungen aber zusammen mit anderen internationalen Empfehlungen gut als Grundlage nehmen, um auch in Deutschland &#8211; gemeinsam mit allen am Rettungsdienst Beteiligten &#8211; \u00fcber dieses Thema zu diskutieren und ein gemeinsames, ggf. deutschlandweit einheitliches und verbindliches Vorgehen zu vereinbaren.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Dabei m\u00fcssen die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der NEXUS-Kriterien zum pr\u00e4hospitalen Ausschluss von Wirbels\u00e4ulenverletzungen diskutiert werden. Beispielweise ist hier zu diskutieren, ob die Validierung f\u00fcr die NEXUS-Kritierien tats\u00e4chlich an einem Patientenkollektiv erfolgte, die ausreichend Wirbels\u00e4ulenverletzungen aufwiesen, um die entsprechenden R\u00fcckschl\u00fcsse auf die gew\u00fcnschte Intention ziehen zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich ist zu der Empfehlung der &#8222;self-extraction&#8220; noch kritisch anzumerken, dass dies unrealistisch ist: Patienten ohne ablenkende Verletzungen haben sich sicher ohnehin aus dem Fahrzeug befreit bis der Rettungsdienst eintrifft.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kornhall D, et al. The Norwegian guidelines for the prehospital management of adult trauma patients with potential spinal injury. <em>Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine<\/em>, 2017; 25: 2. http:\/\/doi.org\/10.1186\/s13049-016-0345-x\u00a0<strong>(<a href=\"http:\/\/download.springer.com\/static\/pdf\/566\/art%253A10.1186%252Fs13049-016-0345-x.pdf?originUrl=http%3A%2F%2Flink.springer.com%2Farticle%2F10.1186%2Fs13049-016-0345-x&amp;token2=exp=1485274457~acl=%2Fstatic%2Fpdf%2F566%2Fart%25253A10.1186%25252Fs13049-016-0345-x.pdf%3ForiginUrl%3Dhttp%253A%252F%252Flink.springer.com%252Farticle%252F10.1186%252Fs13049-016-0345-x*~hmac=1d52e237abf5ff9002071f18b50c5c962c871e7905751073bafb72ec0e47c855\" target=\"_blank\">PDF<\/a>)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kreinest, et al. Untersuchung der Anwendbarkeit eines neuen Protokolls zur Immobilisation der Wirbels\u00e4ule. Indikationsstellung anhand des E.M.S. IMMO Protocol f\u00fcr erwachsene Traumapatienten. <em>Notfall Rettungsmed<\/em> 2016; 16: 473-82<\/p>\n<\/blockquote>\n<hr \/>\n<p><strong>Abbildung:<\/strong> PD Dr. Knapp, Bern, Schweiz<\/p>\n<hr \/>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/twitter.com\/news_papers_eu?refsrc=email&amp;s=11\" target=\"_blank\">News-Paper.eu auf TWITTER<\/a>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<a href=\"http:\/\/news-papers.eu\/follow\" target=\"_blank\">Follow news-papers.eu<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern, Schweiz: Die Praxis der Wirbels\u00e4ulenimmobilisation bei Traumapatienten unterlag in den vergangenen Jahren einer stetigen Diskussion hin bis zu einem deutlichen Wandel. 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Der Link zum Beitrag ist: https:\/\/www.springermedizin.de\/traumatologische-notfallmedizin\/techniken-in-der-notfallmedizin\/wirbelsaeulenimmobilisation-bei-patienten-mit-schwerem-schaedel-\/15824212","rel":"","context":"In &quot;www - Netzressource&quot;","block_context":{"text":"www - Netzressource","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?cat=368"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-15-um-21.45.54.png?fit=1200%2C441&ssl=1&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-15-um-21.45.54.png?fit=1200%2C441&ssl=1&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-15-um-21.45.54.png?fit=1200%2C441&ssl=1&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-15-um-21.45.54.png?fit=1200%2C441&ssl=1&resize=700%2C400 2x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/01\/Bildschirmfoto-2019-01-15-um-21.45.54.png?fit=1200%2C441&ssl=1&resize=1050%2C600 3x"},"classes":[]},{"id":8379,"url":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=8379","url_meta":{"origin":3756,"position":5},"title":"Immobilisation der Wirbels\u00e4ule &#8211; Schritt f\u00fcr Schritt","author":"Bj\u00f6rn Hossfeld","date":"Dezember 9, 2018","format":false,"excerpt":"Die Immobilisation der Wirbels\u00e4ule beim Traumapatienten ist immer h\u00e4ufiger Gegenstand der Diskussion. 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