{"id":20752,"date":"2026-04-28T01:12:17","date_gmt":"2026-04-27T23:12:17","guid":{"rendered":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=20752"},"modified":"2026-04-26T15:53:07","modified_gmt":"2026-04-26T13:53:07","slug":"ki-erkennt-okklusive-myokardinfarkte-zuverlaessiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=20752","title":{"rendered":"KI erkennt okklusive Myokardinfarkte zuverl\u00e4ssiger"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #808080;\">Ein Gastbeitrag von Laura Limbach, Ulm\u00a0<\/span> \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong>Das Elektrokardiogramm (EKG) gilt als zentrales diagnostisches Instrument zur Erkennung eines <strong>okklusiven Myokardinfarkts (OMI)<\/strong>, sowie zur Beurteilung der Indikation f\u00fcr eine unmittelbare Aktivierung des Herzkatheterlabors (CLA). Die korrekte Diagnosestellung des OMI ist essenziell, um eine rechtzeitige Reperfusionstherapie zu gew\u00e4hrleisten, zur Reduktion der Morbidit\u00e4t, effizienteren Nutzung der kardiologischen Ressourcen sowie zur gleichzeitigen Verbesserung des klinischen Outcomes und der Patientensicherheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10049-017-0356-9\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"20770\" data-permalink=\"https:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=20770\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?fit=924%2C1042&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"924,1042\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"STEMI A\u0308quivalente\" data-image-description=\"&lt;p&gt;https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s10049-017-0356-9&lt;\/p&gt;\n\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?fit=908%2C1024&amp;ssl=1\" class=\"alignright size-medium wp-image-20770\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?resize=266%2C300\" alt=\"\" width=\"266\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?resize=266%2C300&amp;ssl=1 266w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?resize=908%2C1024&amp;ssl=1 908w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?resize=768%2C866&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?resize=750%2C846&amp;ssl=1 750w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/STEMI-Aequivalente.png?w=924&amp;ssl=1 924w\" sizes=\"auto, (max-width: 266px) 100vw, 266px\" \/><\/a>Atypische EKG-Muster, insbesondere <strong>STEMI-\u00c4quivalente<\/strong> (OMI ohne ST-Hebung) und <strong>STEMI-Mimics<\/strong> (ST-Hebung ohne OMI)bedingen eine erh\u00f6hte diagnostische Komplexit\u00e4t und sind mit einer eingeschr\u00e4nkten Interpretationsgenauigkeit assoziiert, was zu einer erh\u00f6hten Fehlbeurteilung von OMI-F\u00e4llen f\u00fchren kann. Diese diagnostische Unsicherheit geht mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Fehlentscheidungen einher, sowohl f\u00fcr falsch-positive als auch f\u00fcr falsch-negative Befunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">McCabe et al. beschreiben eine diagnostische Genauigkeit von etwa 70% bei der Interpretation eines vermuteten OMI durch \u00c4rzte. Aufgrund der erh\u00f6hten Komplexit\u00e4t der atypischen EKG-Befunde ist von einer weiteren Reduktion dieser diagnostischen Genauigkeit auszugehen, was den Bedarf an verbesserten diagnostischen Ans\u00e4tzen hervorhebt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Modelle der k\u00fcnstlichen Intelligenz (KI) auf Basis von maschinellem Lernen stellen eine potenzielle L\u00f6sung dar. Die <strong>Queens of Hearts AI<\/strong> (QoH AI), ein von <strong>Powerful Medical<\/strong> (PM) entwickeltes neuronales Netzwerk, wurde zur Detektion von OMI anhand von EKGs trainiert und erreicht eine Genauigkeit von etwa 91%. Inwiefern diese KI die diagnostische Leistungsf\u00e4higkeit von \u00c4rzten, speziell bei STEMI-\u00c4quivalenten und STEMI-Mimics \u00fcbertrifft, ist bislang nicht abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vor diesem Hintergrund untersuchten Shroyer et al. die diagnostische Genauigkeit von Notfallmedizinern und Kardiologen bei der Interpretation komplexer EKG-Befunde, insbesondere STEMI-\u00c4quivalenten und STEMI-Mimics, im Vergleich zu einem KI-basierten Algorithmus, hinsichtlich der Entscheidungsfindung zur Aktivierung des Herzkatheterlabors. Ein weiteres Ziel bestand in der Identifikation jener EKG-Muster, welche besonders h\u00e4ufig fehlinterpretiert werden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Shroyer S, Mehta S, Thukral N, Smiley K, Mercaldo N, Meyers HP, Smith SW,<br \/>\nAccuracy of cath lab activation decisions for STEMI-equivalent and mimic ECGs: Physicians vs. AI (Queen of Hearts by PMcardio),<br \/>\n<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.ajem.2025.07.061\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The American Journal of Emergency Medicine, 97: 193-199 (2025)<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Methodik<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen einer querschnittlichen Online-Studie beurteilten 53 Notfallmediziner und 49 Kardiologen \u00fcber einen Zeitraum von etwa 6 Monaten insgesamt 16 EKGs, einschlie\u00dflich STEMI-\u00c4quivalenten, STEMI-Mimics, STEMI sowie Kontrollbefunde. F\u00fcr jedes EKG musste eine Ja-\/Nein-Entscheidung hinsichtlich der Indikation zur sofortigen Reperfusion mittels Herzkatheter getroffen werden. Die Einsch\u00e4tzung basierte ausschlie\u00dflich auf dem EKG-Befund, sowie der Annahme eines allgemeinen klinischen Verdachts auf eine akute Koronarokklusion. Die diagnostische Leistung wurde anhand eines Referenzstandards beurteilt, welcher Troponinwerte, Echokardiographie, Koronarangiographie und den klinischen Verlauf einschloss. Die teilnehmenden \u00c4rzte erhielten keine Informationen zum klinischen Kontext des EKGs, Patientenergebnissen und der OMI-Pr\u00e4valenz. Es fand kein vorausgehendes zus\u00e4tzliches EKG-Training statt.<br \/>\nParallel erfolgte die Analyse derselben EKGs mittels eines KI-basierten Algorithmus (QoH AI). Die EKG-Daten wurden durch die Autoren in Form von iPhone-Screenshots \u00fcber die PMcardio-App an die KI \u00fcbermittelt. Der Algorithmus klassifizierte die Daten in drei Kategorien:<\/p>\n<ol>\n<li>STEMI\/ STEMI-\u00c4quivalent \uf0e0 Indikation zur Aktivierung des Herzkatheterlabors<\/li>\n<li>reperfundierter OMI \uf0e0 ebenfalls als Indikation gewertet<\/li>\n<li>keine Hinweise auf OMI \uf0e0 keine Indikation<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>95 EKG-Interpretationen von 53 Notfallmedizinern (mittlere klinische Erfahrung im Median 7 Jahre) und 42 Kardiologen (mittlere klinische Erfahrung im Median 15 Jahre) analysiert<\/li>\n<li>kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Fachdisziplinen bzgl. der diagnostischen Genauigkeit mit 65,6% bei Notfallmedizinern und 65,5% bei Kardiologen,<\/li>\n<li>die QoH AI \u00fcbertraf die \u00c4rzte signifikant mit 89%<\/li>\n<li>Notfallmediziner \u00fcbersahen 41% der OMIs und klassifizierten 32% der Nicht-OMIs f\u00e4lschlicherweise als OMI<\/li>\n<li>die QoH AI \u00fcbersah 11% der OMIs und klassifizierte nur 11% der Nicht-OMIs f\u00e4lschlicherweise als OMI<\/li>\n<li>die h\u00e4ufigsten fehlinterpretierten EKG-Typen durch \u00c4rzte: Schenkelblockkonstellationen (Linksschenkelblock +\/- OMI), transiente STEMIs, hyperakute T-Wellen, de-Winter-Zeichen<\/li>\n<li>die KI klassifizierte fast alle EKGs korrekt, mit Ausnahme von: linksventrikul\u00e4rem Aneurysma, Linksschenkelblock mit OMI<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diskussion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuelle Leitlinien empfehlen STEMI-\u00c4quivalente analog zu klassischen STEMIs zu behandeln, einschlie\u00dflich einer unmittelbaren Angiographie und perkutaner Koronarintervention (PCI). Mehrere \u00dcbersichtsarbeiten von Khan, Meyers et al. und Hung zeigten, dass Non-STEMI-Patienten mit verschlossenen Koronararterien eine doppelt so hohe Mortalit\u00e4t aufweisen wie klassische STEMI-Patienten, trotz teils j\u00fcngeren Alters und weniger Komorbidit\u00e4ten. Somit l\u00e4sst sich daraus die Hypothese bestimmen, dass STEMI-\u00c4quivalente eine Hochrisikogruppe darstellen und von einer fr\u00fchen Erkennung und sofortigen Reperfusion profitieren. Dennoch existieren bislang keine Studien, die belegen, dass eine Verz\u00f6gerung der Angiographie der STEMI-\u00c4quivalente mit einem erh\u00f6hten Risiko f\u00fcr Kammerflimmern (VF), kardiogenen Schock oder Reinfarkt verbunden sind. Auf Grund dessen sind prospektive Studien notwendig, welche best\u00e4tigen, dass eine fr\u00fchere Diagnose zu tats\u00e4chlich besseren klinischen Outcomes f\u00fchrt. Bis dahin soll an den bereits bestehenden Leitlinien festgehalten werden, welche eine sofortige Aktivierung des Herzkatheterlabors bei STEMI-\u00c4quivalenten empfehlen, um potenzielle Komplikationen in dieser Hochrisikogruppe zu vermeiden.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse dieser Untersuchung unterstreichen die diagnostischen Limitationen der visuellen EKG-Interpretation durch \u00c4rzte, insbesondere bei atypischen Mustern, wie STEMI-\u00c4quivalenten und STEMI-Mimics. Gleichzeitig verdeutlichen sie das Potential der KI-basierten Systeme, sowohl zur verbesserten Identifizierung eines okklusiven Myokardinfarkts als auch nicht erforderliche Katheterlaboraktivierungen zu reduzieren. Langfristig kann dies zu einer Verbesserung der Patientenversorgung, Optimierung der Nutzung kardiologischer Ressourcen und geringere Morbidit\u00e4ten f\u00fchren. Weitere m\u00f6gliche Vorteile w\u00e4ren die Entlastung von Notfallmedizinern und eine verbesserte Entscheidungsqualit\u00e4t. Dennoch unterliegt diese Studie mehreren Limitationen, u.a. durch die begrenzte Anzahl der EKG-Beispiele und die k\u00fcnstliche Studiensituation ohne realen Zeitdruck. Daraus resultiert eine eingeschr\u00e4nkte Repr\u00e4sentativit\u00e4t und eingeschr\u00e4nkte Generalisierbarkeit. Vor diesem Hintergrund besteht ein Bedarf an prospektiven Studien im klinischen Alltag, um den tats\u00e4chlichen Nutzen und die Implementierbarkeit solcher KI-basierter Systeme abschlie\u00dfend zu beurteilen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Laura Limbach, Ulm\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0Das Elektrokardiogramm (EKG) gilt als zentrales diagnostisches Instrument zur Erkennung eines okklusiven Myokardinfarkts (OMI), sowie zur Beurteilung [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":20767,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"__cvm_playback_settings":[],"__cvm_video_id":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"_wpas_customize_per_network":false},"categories":[640],"tags":[107,2938,2939,465],"class_list":["post-20752","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ekg-diagnostik","tag-ekg","tag-omi","tag-pmcardio","tag-stemi"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/PMcardio.png?fit=1256%2C686&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7fR2g-5oI","jetpack-related-posts":[{"id":9696,"url":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=9696","url_meta":{"origin":20752,"position":0},"title":"Einfach praktisch: STEMI","author":"Michael Bernhard","date":"Juni 18, 2019","format":false,"excerpt":"Um trickreiche EKG-Diagnostik und Befundinterpretation beim ST-Hebungsinfarkt geht's in der heutigen Folge \"Der besondere STEMI \u2013 Zusatzableitungen und aVR im EKG\". 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