{"id":14010,"date":"2021-07-29T04:52:59","date_gmt":"2021-07-29T02:52:59","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=14010"},"modified":"2021-07-28T09:56:52","modified_gmt":"2021-07-28T07:56:52","slug":"flutkatastrophe-im-westen-deutschlands-wenn-nur-noch-helikopter-helfen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=14010","title":{"rendered":"&#8222;Flutkatastrophe im Westen Deutschlands: Wenn nur noch Helikopter helfen k\u00f6nnen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"14011\" data-permalink=\"https:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=14011\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?fit=2560%2C1707&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1707\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;4&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;Canon EOS 5D Mark IV&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1569518933&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;200&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;100&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0.003125&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"5Q5A0988\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?fit=1024%2C683&amp;ssl=1\" class=\"size-medium wp-image-14011 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988.jpg?resize=300%2C200\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=1024%2C683&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=1536%2C1024&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=2048%2C1365&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?resize=750%2C500&amp;ssl=1 750w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/5Q5A0988-scaled.jpg?w=2340 2340w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&#8222;Flutkatastrophe im Westen Deutschlands: Wenn nur noch Helikopter helfen k\u00f6nnen&#8220; titelte vergangene Woche die Neue Z\u00fcrcher Zeitung. <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In den Flutgebieten wurden aus ganz Deutschland Rettungs- und Polizeihubschrauber, die mit Rettungswinden ausgestattet sind zusammengezogen. Die sog. <strong>Windenrettung<\/strong> (Helicopter hoist operation, HHO) ist oft die einzige Option, um in topographisch schwierig zu erreichendem Gel\u00e4nde z.B. auf See oder im Gebirge eine schnelle oder \u00fcberhaupt eine Rettung durchzuf\u00fchren. In Deutschland verf\u00fcgen aktuell nur neun der 82 Rettungshubschrauber \u00fcber eine Rettungswinde; diese sind meist im alpinen Raum oder an der K\u00fcste f\u00fcr die Rettung auf See bzw. Offshore-Anlagen stationiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum Thema <strong>\u00abWindenrettung\u00bb<\/strong> sind aktuell zwei interessante Publikationen erschienen, die wir kurz vorstellen m\u00f6chten:<\/p>\n<blockquote><p><strong>Wilhelm A, Lefering R: Helicopter hoist operations in difficult nonalpine terrain. <\/strong><strong>Air Medical Journal 2021. <\/strong><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.amj.2021.03.011\"><strong>https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.amj.2021.03.011<\/strong><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Die Studie kurz zusammengefasst:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify\">retrospektive Analyse aller Rettungsdiensteins\u00e4tze im Rettungsdienstbereich von Baden-Baden, bei denen der Einsatzort nicht \u00fcber eine Stra\u00dfe erreichbar war<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Untersuchungszeitraum: 1.1.2007 bis 31.7.2018<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Tracerdiagnose: Schwerverletzte\/Polytrauma<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">der untersuchte Rettungsdienstbereich ist zwar sehr gut mit Rettungshubschraubern abgedeckt, von denen jedoch keiner mit einer Winde ausgestattet ist. Falls ein Rettungswindeneinsatz notwendig war, musste im Untersuchungszeitraum auf die Hubschrauber der Bundeswehr aus Niederstetten, Landsberg\/Lech oder Malmsheim oder den Rettungshelikopter Rega 2 aus Basel zur\u00fcckgegriffen werden<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">insgesamt konnten 386 Eins\u00e4tze mit den oben genannten Kriterien identifiziert werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">135 der Eins\u00e4tze konnten nicht ausgewertet werden, weil Daten unvollst\u00e4ndig waren (n=25), der Einsatz abgebrochen (n=8) wurde oder die initiale Alarmierung des Rettungsdienstes ohne Sonderrechte (n=69!) erfolgte oder es sich um einen reinen Feuerwehreinsatz handelte (n=26)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">von den verbliebenen 251 Eins\u00e4tzen wurden nur 17 tats\u00e4chlich per Rettungswinde durchgef\u00fchrt, 208 erfolgten bodengebunden. Unter diesen Eins\u00e4tzen waren auch 22 Eins\u00e4tze, in denen zwar eine Rettung des Patienten per Winde versucht wurde oder der Hubschrauber auf Anflug war, aber letztlich die Luftrettung abgebrochen werden musste bzw. der RTH abbestellt wurde.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">die Pr\u00e4hospitalzeit war f\u00fcr Windeneins\u00e4tze mit im Median 104 min deutlich l\u00e4nger als f\u00fcr rein bodengebundene Eins\u00e4tze mit 72 min (p&lt;0,001)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">in einer Simulationsrechnung wurde nun angenommen, dass der dem Rettungsdienstbereich Baden-Baden n\u00e4chstgelegene RTH (Christoph 43 in Karlsruhe) mit einer Rettungswinde ausgestattet w\u00e4re. Es wurden (sehr gro\u00dfz\u00fcgig) je 5 min Zeitbedarf zur Vorbereitung des Windenman\u00f6vers, 5 min zur Durchf\u00fchrung und 5 min zum Einladen des Patienten in den RTH nach erfolgter Windenrettung angenommen. F\u00fcr die Dispositionszeit wurde eine Parallelalarmierung angenommen.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Mit dieser Simulationsrechnung wurde dann die komplette Pr\u00e4hospitalzeit f\u00fcr alle bodengebunden durchgef\u00fchrten Rettungen berechnet.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Umgekehrt wurde f\u00fcr alle Windenrettungseins\u00e4tze in einer Simulation berechnet, wie lange die Pr\u00e4hospitalzeit gewesen w\u00e4re, wenn die Rettung bodengebunden durchgef\u00fchrt worden w\u00e4re.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">wenn man nach dieser Simulationsrechnung die Pr\u00e4hospitalzeiten vergleicht, kehrt sich der Zeitvorteil zugunsten des Einsatzes des RTH mit Rettungswinde um. Die Pr\u00e4hospitalzeit bei Windenrettung betr\u00fcge 80 min, bei der bodengebunden Rettung 91 min (p&lt;0,001).<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Welche Schlussfolgerungen f\u00fcr den praktischen Alltag k\u00f6nnen wir aus dieser Studie mitnehmen?<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Ausstattung von RTH mit einer Rettungswinde k\u00f6nnte in Gebieten, die ein Einsatzspektrum \u00e4hnlich zum Rettungsdienstbereich Baden-Baden haben (viel bewaldetes Gebiet, hohe Freizeitaktivit\u00e4t durch Mountainbike-Fahrer und Kletterer), die Pr\u00e4hospitalzeit von Trauma-Patienten deutlich verk\u00fcrzen<\/li>\n<li>Aber v.a. muss auch die Rettungsleitstelle m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig erkennen k\u00f6nnen, dass der Einsatz einer Rettungswinde sinnvoll ist, um eine Parallelalarmierung des RTH zu erm\u00f6glichen, sonst geht der Zeitvorteil sehr schnell wieder verloren. Dies gel\u00e4nge beispielsweise durch die Nutzung von Geoinformationsdaten zur Identifizierung von \u201eschwierigem Gel\u00e4nde\u201c, das nicht problemlos f\u00fcr den bodengebundenen Rettungsdienst erreichbar ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">In einer weiteren Studie wurden mehr als 11.000 Windeneins\u00e4tze der Schweizer Luftrettung im Hinblick auf die dabei notwendigen medizinischen Interventionen analysiert.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Pietsch, U., Knapp, J., Mann, M. et al. <\/strong><strong>Incidence and challenges of helicopter emergency medical service (HEMS) rescue missions with helicopter hoist operations: analysis of 11,228 daytime and nighttime missions in Switzerland. <\/strong><strong>Scand J Trauma Resusc Emerg Med 29, 92 (2021). https:\/\/doi.org\/10.1186\/s13049-021-00898-y<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Die Studie in K\u00fcrze: <\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify\">Es wurden retrospektiv alle HHO-Eins\u00e4tze der Rega (Schweizerische Rettungsflugwacht) zwischen 2010 und 2019 analysiert. In diesem Zeitraum wurden 11.228 Windenrettungen durchgef\u00fchrt; 9.963 (88.7%) bei Tag und 1.265 (11.3%) bei Nacht.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Von den Patienten mit potentiell lebensbedrohlichen Verletzungen (NACA\u2009\u2265\u20094) erreichten 21% (n=400) innerhalb 60 min das Krankenhaus w\u00e4hrend des Tages und bei Nacht 9% (n=18). Nacht, Trauma, Narkoseeinleitung und tracheale Intubation sowie ein NACA\u2009\u2265\u20094 waren unabh\u00e4ngig und hoch signifikant mit l\u00e4ngeren Rettungszeiten assoziiert (p&lt;0,001).<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Die Mehrheit der HHO-Eins\u00e4tze unter Tag wurden f\u00fcr leicht bis mittelschwer Verletzte (meist Sommer- oder Wintersportler ) durchgef\u00fchrt (NACA 3, n=3731, 37.5%). Die h\u00e4ufigsten medizinischen Interventionen waren die Anlage eines i.v.-Zuganges (n=3.857, 39%) und Analgesie (n=3.121, 31.3%). Deutlich seltener mussten komplexere Interventionen (425, 4%) wie Narkoseeinleitung und tracheale Intubationen, kardiopulmonale Reanimation und Thorax-Entlastungspunktionen noch vor Ort durchgef\u00fchrt werden.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify\">Innerhalb des Beobachtungszeitraums von 2010 bis 2019 kam es zu einer deutlichen Zunahme der Windenrettungen von ca. 800\/Jahr auf fast 1.300\/Jahr, was am ehesten auf eine Zunahme der Freizeitsportaktivit\u00e4ten im alpinen Gel\u00e4nde zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li>die Crew ist auch bei Windeneins\u00e4tzen regelm\u00e4\u00dfig mit (potentiell) lebensbedrohlich erkrankten oder verletzten Patienten konfrontiert.<\/li>\n<li>komplexe medizinische Interventionen sind zwar selten, m\u00fcssen aber im Rahmen von Windeneins\u00e4tzen ohne personelle Unterst\u00fctzung durchgef\u00fchrt werden und daher absolut sicher unter diesen erschwerten Bedingungen beherrscht werden<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Zusammenfassend kann man also feststellen: Der Einsatz der Winde eines RTH bei Rettungseins\u00e4tzen kann die Pr\u00e4hospitalzeit deutlich verk\u00fcrzen und wird vermutlich zuk\u00fcnftig aufgrund der Ver\u00e4nderung der Freizeitaktivit\u00e4ten und wohl leider auch die Zunahme von Wetterereignissen, die die Infrastruktur f\u00fcr die bodengebundene Rettung zerst\u00f6ren, an Bedeutung gewinnen. Daf\u00fcr muss aber das ganze System abgestimmt werden. Dies setzt eine ausreichende Verf\u00fcgbarkeit von mit Winde ausgestatteten RTH voraus, eine gute Disposition durch die Rettungsleitstelle (Verf\u00fcgbarkeit von Geoinformationsdaten, Tracking der Rettungsmittel etc.) zur sinnvollen und m\u00f6glichst prim\u00e4ren Disposition des n\u00e4chstgelegenen geeigneten RTH sowie umfassende Erfahrung und gutes Training der medizinischen Crew f\u00fcr Windeneins\u00e4tze.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp: &#8222;Flutkatastrophe im Westen Deutschlands: Wenn nur noch Helikopter helfen k\u00f6nnen&#8220; titelte vergangene Woche die Neue Z\u00fcrcher Zeitung. 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