{"id":10671,"date":"2019-12-26T04:09:47","date_gmt":"2019-12-26T03:09:47","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=10671"},"modified":"2019-12-26T10:14:15","modified_gmt":"2019-12-26T09:14:15","slug":"airwaymanagement-wie-gut-sind-die-anderen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=10671","title":{"rendered":"Airwaymanagement \u2013 wie gut sind die anderen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aktuell wurden in Resuscitation interessante Zahlen zu den Erfolgsraten des Airwaymanagements in den USA ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Nwanne T et al. Advanced airway management success rates in a national cohort of emergency medical services agencies. Resuscitation 2020; 146:43-9; <\/strong><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.resuscitation.2019.11.006\"><strong>https:\/\/doi.org\/10.1016\/j.resuscitation.2019.11.006<\/strong><\/a><\/p><\/blockquote>\n<p>Die Studie bediente sich der Daten aus einem landesweiten Register, in dem Rettungsdienstprotokolle elektronisch erfasst werden:<\/p>\n<ul>\n<li>57.209 Patienten bedurften eines \u201eadvanced airway management\u201c<\/li>\n<li>insgesamt lag die Erfolgsrate der Atemwegssicherung bei 89,1% (95%-Konfidenzintervall: 88,8-89,3%)<\/li>\n<li>die Erfolgsrate der \u201ekonventionellen\u201c endotrachealen Intubation (bei den Amerikanern definiert als Intubation ohne den Einsatz von Muskelrelaxanzien zur Narkoseeinleitung, n=38.004) lag bei 76,9% (95%-Konfidenzintervall: 76,5-77,3%)<\/li>\n<li>die Erfolgsrate der Intubation unter Einsatz von Muskelrelaxanzien (n=6.768) betrug 89,7% (95%-KI: 88,9-90,4%)<\/li>\n<li>wenn bereits initial ein supraglottischer Atemweg eingesetzt wurde (n=9.461), lag die Erfolgsrate bei 90,1% (95%-KI: 89,5-90,7%)<\/li>\n<li>wenn der supraglottische Atemweg (SGA) als \u201ePlan B\u201c nach gescheiterter endotrachealer Intubation gew\u00e4hlt wurde (n=5.994, in mehr als 80% der F\u00e4lle wurde ein Larynxtubus eingesetzt), gelang die Atemwegssicherung in 87,3% der F\u00e4lle (95%-KI: 86,4-88,1%)<\/li>\n<li>eine notfallm\u00e4\u00dfige Koniotomie (n=85) gelang nur in 52,9% der F\u00e4lle (95%-KI: 41,8-63,9%)<\/li>\n<li>bei 202 Patienten wurde \u2013 aus welchem Grund auch immer \u2013 die Koniotomie als initiale Methode der Atemwegssicherung gew\u00e4hlt. Dies gelang aber nur in 17,3% (95%-KI: 12,4-23,3%)<\/li>\n<li>bei reanimationspflichtigen Patienten (n=35.782) gelang die Atemwegssicherung insgesamt bei 91,7% (95%-KI: 91,4-92,0%)<\/li>\n<li>bei Trauma-Patienten (n=4.341) bei 84,3% (95%-KI: 83,1-85,3%)<\/li>\n<li>bei internistischen Patienten (n=17.086) bei 84,7% (95%-KI: 84,2-85,2%)<\/li>\n<li>bei p\u00e4diatrischen Patienten (definiert als \u226412 Jahre, n=1.223) bei 73,7% (95%-KI: 71,2-76,2%)<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Die Atemwegssicherung im pr\u00e4hospitalen Umfeld ist eine Kernkompetenz der Notfallmedizin und muss absolut sicher beherrscht werden.<\/li>\n<li>Die Zahlen aus den USA sind einerseits sicher erschreckend:\n<ul>\n<li>nur bei 9 von 10 Patienten gelingt letztlich die Atemwegssicherung,<\/li>\n<li>bei Kindern \u226412 Jahre sogar nur bei 3 von 4 Patienten,<\/li>\n<li>nur bei 8 von 10 nicht reanimationspflichtigen Patienten konnte der Atemweg letztendlich auf irgendeine Art und Weise gesichert werden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Andererseits aber: \u201eWer m\u00f6glicherweise im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.\u201c Leider liegen uns f\u00fcr den deutschsprachigen Raum keine vergleichbar gro\u00dfen Registerdaten vor, um hier den Vergleich zu den USA ziehen zu k\u00f6nnen. Auch hier fehlt vielen \u00c4rzten und Rettungsdienstfachpersonal die fundierte innerklinische Ausbildung und Expertise zur sicheren pr\u00e4hospitalen Atemwegssicherung. So fand Timmermann in einer Beobachtungsstudie eine Rate von 6,7% \u00f6sophageal fehlintubierter pr\u00e4hospitaler Patienten (10 von 149 konsekutiven Patienten), die aber alle durch den zus\u00e4tzlich eintreffenden Notarzt des RTH detektiert und korrigiert werden konnten.<br \/>\n<strong>Timmermann A et al. The out-of-hospital esophageal and endobronchial intubations performed by emergency physicians. Anesth Analg 2007; 104:619-<\/strong><strong>23; <\/strong><strong>DOI:<\/strong><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1213\/01.ane.0000253523.80050.e9\"><strong>1213\/01.ane.0000253523.80050.e9<\/strong><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Daten zeigen aber auch:<\/p>\n<ul>\n<li>wenn die endotracheale Intubation nicht sicher beherrscht wird, ist m\u00f6glicherweise die Wahl eines SGA zur Atemwegssicherung die bessere Alternative und<\/li>\n<li>beim nicht-reanimationspflichtigen Patienten erh\u00f6ht der Einsatz von Muskelrelaxanzien die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich<\/li>\n<li>ein bundes- oder zumindest landesweites Register zum Benchmarking der Qualit\u00e4t der pr\u00e4hospitalen Versorgung und insbesondere des Atemwegsmanagements w\u00e4re \u00fcberaus w\u00fcnschenswert<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Anmerkung: Die Angabe von Konfidenzintervallen bei einer retrospektiven Beobachtungsstudie war mir neu und hat mich \u00fcberrascht. Die Konfidenzintervalle wurden in dieser Studie anhand des sog. Binominaltests berechnet. Dabei wird die gemessene H\u00e4ufigkeit einer dichotomen Variable (in diesem Fall: Erfolg\/Nicht-Erfolg) verglichen mit der theoretisch zu erwartenden Wahrscheinlichkeit (also 50%). <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im SPSS findet man den Test hier: <\/em><strong><em>SPSS-Men\u00fc:\u00a0<\/em><\/strong><em>Analysieren &gt; Nichtparametrische Tests &gt; Alte Dialogfelder &gt; Binomialtest. Im Feld \u201eTestanteil\u201c muss noch 0,50 eingegeben werden f\u00fcr die zu erwartende Wahrscheinlichkeit von 50%.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz: Aktuell wurden in Resuscitation interessante Zahlen zu den Erfolgsraten des Airwaymanagements in den USA ver\u00f6ffentlicht. Nwanne T et al. 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