Transfusionreaktionen…

BluttransfusionIn einer Biomedical Excellence for Safer Transfusion (BEST) Collaborative publizierten Meghan Delaney et al. eine aktuelle Übersicht zur Prävention, Diagnose und Behandlung akuter Transfusionsreaktionen:

Delaney M, et al. Transfusion reactions: prevention, diagnosis, and treatment. Lancet 2016, http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)01313-6


Hier einige interessante Informationen:

  • Transfusionsreaktionen treten bei 1:100 Transfusionen auf
  • allergische Transfusionsreaktion: 112/100.000 Units
  • anaphylaktische Transfusionsreaktion: 8/100.000 Units
  • hämolytische Transfusionsreaktion: 3,5-7,9/100.000 Units
  • fieberhafte nicht-hämolytische Transfusionsreaktion: 1.000-3.000/100.000 Units
  • hypotensive Transfusionsreaktion: 1,8-9,0/100.000 Units
  • septische Transfusionsreaktion: 0,03-3,3/100.000 Units
  • Transfusionsbedingte Volumenüberladung: 11/100.000 Units
  • Transfusionsassoziierter Todesfall: 1:200.000-400.000 Units

Generelles Vorgehen bei Transfusionsreaktion:

  • Stop der Transfusion des Blutproduktes
  • Erhalt und offenhalten des intravenösen Zugangs mit kristalliner Lösung
  • kardiopulmonale Stabilisierung
  • Check des Blutproduktes und des Patienten (Identifikation, Korrektes Blutprodukt?)
  • Meldung der Transfusionsreaktion

Allergische/Anaphylaktische Reaktion:

  • während oder bis zu 4 h nach Transfusion
  • am häufigsten nach Thrombozytentransfusion (302/100.000 Units)
  • Aktivierung von Mastzellen und Basophilen mit Histaminfreisetzung
  • meistens: Urtikaria, Rötung, Juckreiz, lokales Angioödem
  • selten vitalbedrohliche Situationen mit Bronchospasmus, Luftnot, Hypotension
  • bei milder allergischer Reaktion (Hautreaktion): Gabe von H2-Blocker, hier wird sogar angeführt, dass wenn die Hautreaktion nach H2-Blocker i.v. verschwindet mit derselben Unit unter direkter Beobachtung weitertranfsundiert werden kann. Sollten erneut Symptome auftreten, dann wird die Unit des Blutprodukts nicht mehr verwendet; keine Evidenz für „Prophylaktischer Gabe“
  • bei anaphylaktische Reaktionen (1:100.000 Units): unmittelbar Adrenalin i.m., H1/H2-Blocker i.v., ß2-Sympathomimetika-Inhalation, Glucocorticoide i.v.
  • Vorgehen bei Patienten mit bekannter anaphylaktischer Reaktion bei Transfusion: Monitoring während und nach Transfusion, Prämedikation mit Antihistaminika, Glucocorticoide zur Prämedikation wurde zwar bisher nicht untersucht, aber weitverbreitet eingesetzt

Akute hämolytische Transfusionsreaktion:

  • immunvermittelte akute hämolytische Transfusionreaktionen treten nach EK-Transfusionen (oder Plasma) auf, wenn diese nicht Kompatibel transfundiert werden (cave: Verwechselung der Patientenidentität)
  • intra- und extravasale Hämolyse: Fieber und Schüttelfrost, Schmerz, Hypotension und Luftnot, aber auch Hämoglobinurie, DIC, akutes Nierenversagen, Schock, Tod
  • Patienten unter Transfusion sollten überwacht und die Transfusion bei Änderungen der Vitalfunktionen oder unerwarteten Symptomen sofort gestoppt werden
  • es gibt keine spezifischen evidenzbasierten Massnahmen nach ABO-unkompatiblen EK-Transfusion

Weitere Informationen zu Transfusionsreaktionen finden Sie in

Delaney M, et al. Transfusion reactions: prevention, diagnosis, and treatment. Lancet 2016, http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(15)01313-6

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