Tablet-PC bei innenklinischer Reanimation

ResucitationApplicationDie genaue Dokumentation der Maßnahmen bei der kardiopulmonalen Reanimation ist von großer Bedeutung. Trotz dieser Wichtigkeit ist die Qualität der erhobenen Daten oftmals unzureichend. Die zeitliche Dichte der Ereignisse und Maßnahmen und die übliche Praxis die Dokumentation erst nach Beendigung der Behandlung zu dokumentieren, können als Ursache für diesen Umstand genannt werden. Mit der Entwicklung einer Tablet-PC basierten Applikation (APP) wurde nun ein Werkzeug geschaffen, das eine exakte Dokumentation (in Echtzeit) während einer kardiopulmonalen Reanimation ermöglicht:

Grundgeiger T, et al. Real-time tablet-based resuscitation documentation by the team leader: evaluating documentation quality and clinical performance. SJTREM 2016; 24: 51 (PDF)

Um die Effektivität der Applikation unter realitätsnahen Bedingungen einer kardiopulmonalen Reanimation zu testen, wurde eine Studie in einem Patientensimulator durchgeführt. In dieser Studie wurden Reanimationsteams zu simulierten innerklinischen Reanimationen gerufen. Der jeweilige Teamleiter des Reanimationsteams benutzte entweder die Applikation während der Reanimation (App Gruppe, n=11) oder führte die Dokumentation anhand des bestehenden Krankenhausinformationssystems nach der Reanimation durch (KIS Gruppe, n=13).

Die Ergebnisse zeigen, dass die dokumentierten Interventionszeitpunkte in der App-Gruppe im Vergleich zu der KIS Gruppe signifikant genauer sind (Verbesserung um 78%). Die benötigte Dokumentationszeit der abschließenden Dokumentation der Befunde am Ende der Reanimation war ebenfalls in der App-Gruppe signifikant kürzer als in der KIS Gruppe. Die Vollständigkeit der Dokumentation unterschied sich jedoch nicht zwischen den beiden GruppenBei der Einhaltung der Intervalle für Defibrillation und Adrenalingaben und der Zeit bis zur ersten Defibrillation (cave: nach Reanimationsleitlinien 2010) fand sich kein Unterschied zwischen den Gruppen. Der Anteil der sog. no-flow fraction (prozentualer Anteil der Zeit des Herzstillstands, in dem keine Thoraxkompressionene durchgeführt wurde) war in der App-Gruppe signifikant kürzer.

Fazit: Zusammenfassen kann gesagt werden, dass durch die Verwendung der Applikation die Dokumentationsqualität deutlich verbessert wurde und keinen negativen Einfluss auf die Qualität der Maßnahmen hatte. Im Gegenteil, die no-flow fraction wurde sogar verringert, so dass durch den Einsatz der Applikation sogar eine verbesserte Reanimationsqualität zu erwarten ist.


Mit dem hier angesprochen Tool haben die Würzburger Kollegen bereits den gut dotierten Forschungspreis der Vogelstiftung 2016 gewonnen.


Abbildung wurde durch Prof. Dr. Thomas Wurmb dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

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