Standard in der Polytraumaversorgung: Ganzkörper-CT

Schockraum CT
Foto: S. Thierbach

Das Ganzkörper-CT (GKCT) ist die Primärdiagnostik in der Versorgung von schwerverletzten Patienten. Stefan U. Reske und Kollegen untersuchten nun in einer retrospektiven Untersuchung zwei verschiedene Protokolle für die Umsetzung:

Reske SU et al. Polytrauma-Ganzkörper-CT: Klinisch adaptierter Einsatz unterschiedlich gewichteter CT-Untersuchungsprotokolle.  Fortschr Röntgenstr 2018; 190: 1141–1151

Die Schockraumversorgung von Polytraumen ist eine interdisziplinäre Herausforderung für die behandelnden Traumazentren. Meist existiert für die Abläufe eine interdisziplinär definierte Richtlinie, die zwischen verschiedenen Krankenhäusern teils erhebliche Unterschiede aufweisen kann, gerade auch was die genutzten Polytrauma-CT-Protokolle angeht. Dabei ist die Diagnostik mittels GKCT ein wichtiger Baustein in einem Gesamtkonzept.

Neben technischen Faktoren des CT-Geräts (Hersteller, Fabrikat, Softwareoptionen, maximale Scanlänge, iterative Rekonstruktionen) und den eigentlichen Geräteeinstellungen (Röhrenspannung, Rotationszeit, AEC =automatic exposure control) haben auch räumliche, logistische und interdisziplinäre Aspekte Einfluss auf das Protokolldesign:

  • CT im Schockraum oder getrennte Räume,
  • Ablauf der Schockraumversorgung,
  • Head-/ Feet-first-Lagerung,
  • Armlagerung, und
  • KM-Regime.

Aufgrund dieser hohen Komplexität müssen je nach gesetztem Fokus gegenüber elektiven Standardprotokollen einzelner Körperregionen immer Kompromisse eingegangen werden. Es existieren viele Publikationen, die sich mit dem Thema der Protokolloptimierung bei der GKCT teils hersteller- bzw. gerätebezogen befassen, teils bezogen auf Einzelaspekte des Protokolldesigns oder verschiedene Designs miteinander vergleichen. Eine Multizenterstudie, die die durchschnittliche Strahlenexposition durch GKCTs genauer quantifiziert, existiert bisher nicht.

Auch zum Thema Indikationsstellung selber sind weitere Forschungen notwendig, um ein praktikables Konzept zu entwickeln, das eine Untertriage möglichst ausschließt und die Übertriagerate relativ gering hält. Die vorliegende Arbeit präsentiert ein klinisch adaptiertes Konzept, dass sich zwischen Indikationsstellung und Durchführung einer GKCT einfügt. Es ermöglicht ein flexibleres Eingehen auf individuelle Einzelaspekte von Trauma-Patienten im Schockraum und bietet eine Option, die kollektive Strahlenexposition trotz durchgeführter GKCT zu senken.

  • Durch Vorhaltung zweier unterschiedlich gewichteter Ganzkörper-CT-Protokolle kann flexibler auf die klinische Situation der Patienten reagiert werden. Eine Untersuchung des Körpers mit Armen über dem Kopf ist – bei längerer UZ – bezüglich BQ und Dosis der Armlagerung am Körper überlegen. Wir weisen aber darauf hin, dass die Autoren scheinbar in dem „ZEIT“-Protokoll die Arme seitlich am Körper (und nicht vorne auf dem Körperstamm) gelagert haben, was: 1. zu einer Artefaktsteigerung und 2. einer Dosissteigerung geführt haben kann.
  • Aufgrund steter Weiterentwicklung der CT durch die Hersteller sollten bestehende Protokolle regelmäßig reevaluiert und optimiert werden.
  • Das vorgestellte, klinisch adaptierte Konzept bietet Traumazentren eine Option, um die kollektive Strahlenexposition zu reduzieren.
  • Ganzkörper-CTs führen zu relevanten Strahlenexpositionen – weiterführende Multizenterstudien zur genaueren Differenzierung sind notwendig.

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