Sedierung bei der Reanimation ? Nebraska´s Perspektive

Sedierung bei der Reanimation? Das hört sich erst einmal ungewöhnlich an. Denn ein Herzkreislaufstillstand, z.B. infolge von Kammerflimmern, führt ja binnen 10-30 sec. zum Bewusstseinverlust des betroffenen Patienten.

Donald T. Rice et al. haben nun in einem Leserbrief in RESUSCITATION das „Nebraska CPR Induced Consciousness Sedation Protocol“ beschrieben:

Rice DT et al., CPR induced consciousness: It’s time forsedation protocols for this growing population. Resuscitation 2016; DOI:dx.doi.org/10.1016/j.resuscitation.2016.02.013

CPR LUCAS2Hintergrund des Leserbriefes ist, dass die Leona Helmsley Foundation den US-Staat Nebraska mit 6 Millionen US-Dollar für die Implementierung der automatischen externen Reanimationshilfe LUCAS2 (PhysioControl) unterstützt. Die Kollegen beschreiben weiter den Fallbericht eines 55-Jährigen Patienten mit STEMI, der Kammerflimmern entwickelt, und bei dem eine 20 minütige Reanimation zu einem ROSC führte. Nach Ankunft in der Notaufnahme erlitt der Patient eine weitere Episode von Kammerflimmern und wurde erneut kardiopulmonal reanimiert. Unter Reanimation mittels LUCAS2 war der Patient wach und ansprechbar. Tatsächlich, so wird es beschrieben, musste der Patient vor der Durchführung von Defibrillationen gewarnt werden. Letztendlich wurde dieser Patient mit 2 mg/kgKG Ketamin-geführt analgosediert und endotracheal intubiert. Nach 23 Minuten trat ein ROSC ein. Der Patient wurde angiographiert und überlebte das Ereignis. Vor Entlassung wurde der Patient hinsichtlich seiner Erinnerung evaluiert und konnte viele Details von seiner Reanimation in der Notaufnahme berichten.

Auch andere Arbeitsgruppen AWARE(AWAreness during REsuscitation)-Studie von Parnia et al. (Resuscitation 2014) berichteten in Interviews von erfolgreich reanimierten Patienten in 39% der Fälle von Wachheit und Erinnerungen unter Reanimation. Um psychische und physische Auswirkungen einer Wachheit (AWARNESS) während einer qualitativ-hochwertigen Reanimation vorzubeugen, wird daher vorgeschlagen eine Analgosedierung durchzuführen.

Das „Nebraska CPR Induced Consciousness Sedation Protocol“ sieht wie folgt aus:

  • Grundsätzlich:
    – ALS und BLS gemäss Standardprotokoll
    – Suche nach Zeichen der Wachheit: Spontanes Augenöffnen, versuchte Spontanbewegungen, verbale Reaktionen
  • Erweiterte Reanimationsmassnahmen:
    – Fortsetzung der kardiopulmonalen Reanimation
    – Ketamin (i.v.: 0,5-1,0 mg/kgKG oder i.m.: 2-3 mg/kgKG) als Bolus
    – ggf. Midazolam-Bolus mit (i.v.: 1 mg oder i.m.: 2 mg)
    – ggf. wiederholte Ketamingabe nach 5-10 min. mit (i.v.: 0,5-1,0 mg/kgKG oder i.m.: 2-3 mg/kgKG) als Bolus oder 2-7 μg/kgKG/min als Perfusor

Dabei ist der Gedanke einer Sedierung unter Reanimation nicht neu und Martens et al. beschrieben die entsprechenden Aspekte schon in 1995 (Resuscitation 1995; 29: 223-224).

Wichtig ist hierbei zu beachten, dass das „Nebraska CPR Induced Consciousness Sedation Protocol“ bislang noch nicht in randomisierten kontrollierten Studien untersucht wurde und entsprechende Erkenntnisse zu einer Beeinflussung des Behandlungsergebnis (Überleben, neurologisches Überleben) nicht vorliegen.


Weiterführende Literatur:

  • Martens P, Mullie A. Sedation during and after CPR-efforts: is it worth a guideline? Resuscitation 1995; 29: 223-224
  • Olvera-Lopez E, et al. “AWAREness during CPR: Be careful with what you say!” Resuscitation 2014; 85: A5-A6
  • Parnia S, Spearpoint K, de Vos G, et al. AWARE—AWAreness during REsuscitation—a prospective study. Resuscitation 2014;85:1799–805

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