OBSERvE-Laktat Studie

Eine Hyperlaktatämie tritt immer dann auf, wenn die Laktatproduktion die Kapazitäten der Laktat-Clearance übersteigt. Dies kann beispielsweise als Folge einer Hypoxämie oder Minderperfusion auftreten. Die Bestimmung des Laktats erfolgt im klinischen Alltag im Rahmen der Blutgasanalyse und steht kurzfristig im Minutenbereich nach Abnahme durch eine Point-of-Care-Analyse zur Verfügung.

Laktat und die Laktat-Dynamik wurden schon eingehend als Surrogat-Parameter für die Prognose von kritisch kranken Patienten untersucht. Bisher liegen insbesondere für hochselektionierte Patientenkollektive Hinweise aus Studien vor, die vermuten lassen, dass die Laktat-Dynamik als Prädiktor für ein Überleben herangezogen werden kann.

Zusammenfassend haben frühere Studien gezeigt, dass die Laktat-Dynamik deutlich mit der Letalität traumatologischer und kritisch kranker Patienten korreliert: eine geringe Abnahme oder gar ein Anstieg des Laktatspiegels im Verlauf sind mit einem schlechteren Überleben assoziiert, während eine hohe Laktat-Clearance einen hohen prognostischen Wert für ein gutes klinisches Ergebnis hat.

Kramer A, et al. Early lactate dynamics in critically ill non-traumatic patients in a resuscitation room of a German emergency department (OBSERvE-Lactate-Study). J Emerg Med 2018, PMID:30538084DOI:10.1016/j.jemermed.2018.10.033 (LINK)

Nun wurde Laktat und Laktatdynamik über ein Jahr erstmals bei einem unselektionierten Kollektiv kritisch kranker, nicht-traumatologischer Patienten untersucht, die über den Schockraum einer deutschen Universitätsklinik aufgenommen wurden (OBSERvE-Laktat-Studie). Es wurden das Laktat bei Aufnahme, das zeitgewichtete Durchschnittslaktat und die Laktatdynamik von 392 Patienten betrachtet. Dabei zeigte sich, dass ein hohes Laktat bei Aufnahme und auch ein hohes zeitgewichtetes Durchschnittslaktat mit einer höheren 30-Tages-Letalität assoziiert waren. Besonders initiale Laktatwerte über 8,1 mmol/l zeigten fast eine Verdopplung der Mortalität. Anders als in Studien mit hochselektionierten Patientenkollektiven (mit nur einer klar definierten Erkrankung) ergaben sich bei den unselektionierten Patienten keine signifikanten Unterschiede zwischen überlebenden und nicht-überlebenden Patienten.

Bei Patienten mit initialer Hyperlaktatämie (>2,2 mmol/l) gab es signifikante Unterschiede im zeitgewichteten Durchschnittslaktat und in der frühen Laktatdynamik (nach 1 und nach 6 Stunden). Bei Patienten mit initialen Laktatwerten über 4,0 mmol/l gab es zudem signifikante Unterschiede in der Laktatdynamik nach 12 Stunden.

Fazit für den Kliniker: Als Bestandteil von Blutgasanalysen sind serielle Laktatwerte für nahezu jeden kritisch kranken Patienten verfügbar. Daher kann man unkompliziert das Laktat bei Aufnahme und die berechneten dynamischen Laktatparameter nutzen um kritisch kranke Patienten zu evaluieren. Wie praktikabel das ist, sollte in weiteren prospektiven Studien überprüft werden.

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