Natriumhaushalt bei Ausdauersportarten

RadfahrenSport ist für viele täglicher Alltag. Daher ist es nichts Neues, dass Sport neben etlichen positiven Einflüssen auch durchaus negative Auswirkungen haben kann. Bei vielen Ausdauersportarten ist eine Elektrolytverschiebung durch Schwitzen und übermäßige Flüssigkeitsaufnahme ein häufiges Phänomen. Eine aktuelle Untersuchung aus Deutschland hat sich nun mit den Veränderungen des Natrium-Haushalts während des Ironman beschäftigt und liefert interessante Ergebnisse für die notärztliche Versorgung von Ausdauerathleten:

Danz M, Pöttgen K, Tönjes PM, Hinkelbein J, Braunecker S. Hyponatremia among Triathletes in the Ironman European Championship. N Engl J Med 2016; 374: 977-978 doi: 10.1056/NEJMc1510409.

Um dem Einfluss von Sport auf den Natrium-Haushalt nachzugehen hat das Forschungsteam um Matthias Danz 1.089  Triathleten (932 Männer, 157 Frauen) nach erfolgreicher Beendigung des Ironman (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42 km Laufen; mittlere Wettkampfzeit 12:39±1:59 Stunden) untersucht und Daten zwischen den Jahren 2005 und 2013 hinsichtlich einer Hyponatriämie ausgewertet.

Von den 1.089 Triathleten wiesen 115 (10,6%) eine Hyponatriämie auf. Bei 95 (8,7%) handelte es sich um eine milde, bei 17 (1,6%) um eine schwere und bei drei (0,3%) um eine kritische Form. Bei den drei kritischen Fällen betrug der Natriumgehalt 120, 119 und 111 mmol/L (Normwert: 135-148 mmol/L). Betroffen waren vor allem Sportler mit längeren Wettkampfzeiten und Frauen. Vor allem die kritischen Hyponatriämien zeigten sich zwischen der 12. und 14. Stunde nach Start.

Ursache für die Entwicklung einer Hyponatriämie ist dabei nach Ansicht der Forscher nicht nur der Salzverlust, sondern die übermäßige Aufnahme von natriumarmen Wassers während des Wettkampfs. Eine Studie aus den USA konnte zeigen, dass Marathonläufer aufgrund der Flüssigkeitsaufnahme nach dem Wettkampf ein höheres Gewicht aufwiesen als vor dem Start.

Eine sich rasch entwickelnde Hyponatriämie kann zu einem schweren Hirnödem mit Kopfschmerzen, epileptischen Anfällen oder Koma führen. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer dauerhaften Schädigung des Hirns durch erhöhten intrakraniellen Druck (wie zuletzt beim Ironman 2015 in Frankfurt geschehen).

Schlussfolgerung: Medizinische Betreuer von Sportevents mit Ausdauersportarten (Marathon, Radrennen, Triathlon) sollten sich mit dem Krankheitsbild der Hyponatriämie vertraut machen. Patienten mit neurologischen Symptomen gelten bis zum Beweis des Gegenteils immer als hyponatriäm und sollten entsprechend engmaschig kontrolliert werden. Eine Blutgasanalyse vor Ort bietet die Chance eine frühzeitigen Diagnose und der raschen Einleitung einer entsprechenden Therapie. Rettungsdienste sollten bei der Betreuung solcher Sportevents entsprechende Ausrüstung zur Behandlung von schweren Hyponatriämien und Hirnödemen vorhalten.


Gib den Wissenschaftlern ein Gesicht:

braunecker

Dr. Stefan Braunecker, Klinik für Anästhesiologie und Operativer Intensivmedizin, Universtitätsklinikum Köln, anaesthesie.uk-koeln.de (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

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Prof. Dr. Jochen Hinkelbein, Klinik für Anästhesiologie und Operativer Intensivmedizin, Universtitätsklinikum Köln, anaesthesie.uk-koeln.de (mit freundlicher Genehmigung des Autors)

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