{"id":19868,"date":"2025-09-02T01:12:34","date_gmt":"2025-09-01T23:12:34","guid":{"rendered":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=19868"},"modified":"2025-08-28T17:21:06","modified_gmt":"2025-08-28T15:21:06","slug":"praeklinische-arterielle-blutdruckmessung-ein-gamechanger-in-der-behandlung-von-patienten-mit-akuter-zerebraler-problematik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=19868","title":{"rendered":"Pr\u00e4hospitale arterielle Blutdruckmessung \u2013 ein Gamechanger in der Behandlung von Patienten mit akuter zerebraler Problematik?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Ein Gastbeitrag von Ferdinand Maier, Ulm\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 <\/strong><\/span>Mehr als 12 Millionen Menschen erleiden j\u00e4hrlich einen Schlaganfall. Das Krankheitsbild ist weiterhin f\u00fcr 6,5 Millionen Todesf\u00e4lle verantwortlich. Eine ad\u00e4quate pr\u00e4hospitale Versorgung dieser Patienten scheint somit von gro\u00dfer Bedeutung zu sein, wie die Sicherstellung stabiler kardiorespiratorischer Verh\u00e4ltnisse und ein z\u00fcgiger Transport in das n\u00e4chstgeeignete Krankenhaus mit Stroke-Unit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Bewusstseinsminderung kann sowohl isch\u00e4misch als auch h\u00e4morrhagisch bedingt sein und St\u00f6rungen des Gasaustausches verursachen, denen mit einer geeigneten invasiven Beatmung entgegengewirkt werden kann. Dies f\u00fchrt konsekutiv in eine Atemwegssicherung mit endotrachealer Intubation. Die Einleitung einer Notfallnarkose kann jedoch mit starken h\u00e4modynamischen St\u00f6rungen verbunden sein. Hypo- und sowohl Hypertonien sollten vermieden werden. Aus diesem Grund w\u00fcrde sich eine invasive Blutdruckmessung, so wie sie bereits innerklinisch standardm\u00e4\u00dfig bei diesen Patienten zur Anwendung kommt, am besten anbieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommt es zu einer akuten traumatischen Hirnverletzung (traumatic brain injury = TBI) oder einer spontanen intrakraniellen Blutung (sICB), so sollten anhand neuroprotektiver Ma\u00dfnahmen sekund\u00e4re Hirnverletzungen vorgebeugt werden. Die h\u00e4modynamische Optimierung ist dabei ein wichtiger Aspekt, da bei einer TBI die zerebrale Autoregulation bei 49\u201387 % dieser Patienten nicht vorhanden oder beeintr\u00e4chtigt ist. Die Aufrechterhaltung eines angemessenen mittleren arteriellen Drucks (MAP) ist aber entscheidend, um einen ausreichenden zerebralen Blutfluss (CBF) zu erhalten und somit sekund\u00e4re Hirnverletzungen zu verhindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die nicht-invasive Blutdruckmessung (NIBP) ist jedoch, gerade w\u00e4hrend eines Transportes, st\u00f6ranf\u00e4llig. Bewegungs- und Vibrationsartefakte k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass Blutdruckwerte \u00fcber- oder untersch\u00e4tzt werden und somit Therapien nicht angemessen durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Studien haben bereits gezeigt, dass eine invasive Blutdruckmessung (IBP) im pr\u00e4hospitalen Bereich durchf\u00fchrbar ist und diese eine h\u00f6here Genauigkeit als eine NIBP aufweist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gr\u00fcnde gegen eine Etablierung einer IBP im pr\u00e4hospitalen Bereich sind die erforderliche Ausr\u00fcstung und Ausbildung der Anwender sowie die daf\u00fcr ben\u00f6tigte Zeit.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vorteile einer IBP:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>serielle Blutgasanalysen und dadurch eine Beatmungskontrolle<\/li>\n<li>bessere Steuerbarkeit von Vasopressoren und der eingesetzten Narkotika<\/li>\n<li>Analyse der arteriellen Wellenform<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um weitere Fragen in diesem Rahmen zu kl\u00e4ren, f\u00fchrten Griggs et al. eine retrospektive klinische Diagnosegenauigkeitsstudie zur Ermittlung der Genauigkeit und klinischen Relevanz des IBP gesteuerten h\u00e4modynamischen Monitorings bei Patienten mit TBI oder sICB durch:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Griggs JE, Clarke S, Greenhalgh R, Watts AN, Barrett J, Houghton Budd S, Dias M, Hunter K, Lyon RM, Ter Avest E. Air Ambulance Charity Kent Surrey Sussex. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Diagnostic accuracy of pre-hospital invasive arterial blood pressure monitoring for haemodynamic management in traumatic brain injury and spontaneous intracranial haemorrhage. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/sjtrem.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13049-025-01393-4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scand J Trauma Resusc Emerg Med 6; 33: 89 (<\/a><a href=\"https:\/\/sjtrem.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13049-025-01393-4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2025<\/a>)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei wesentliche Fragen haben sich die Autoren vorab gestellt:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wie hoch ist der Grad der Ungenauigkeit bei NIBP im Vergleich zur IBP?<\/li>\n<li>F\u00fchren Messunterschiede zu klinisch relevanten Vorteilen f\u00fcr die h\u00e4modynamische Optimierung?<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um herauszufinden, ob es tats\u00e4chlich zu Verz\u00f6gerungen bei der Diagnostik und Behandlung von Patienten kommt, die pr\u00e4khospital eine IBP erhielten, im Vergleich zu Patienten, bei denen diese Ma\u00dfnahme erst im Krankenhaus durchgef\u00fchrt wird, f\u00fchrten Eichlseder et al. eine retrospektive, single-center Studie durch:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Eichlseder M, Schreiber N, Pichler A, Eichinger M, Labenbacher S, Hallmann B, Orlob S, Zajic P, Fandler-H\u00f6fler S. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Association of prehospital invasive blood pressure measurement and treatment times of intubated patients with suspected stroke &#8211; a retrospective study. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><a href=\"https:\/\/sjtrem.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13049-025-01411-5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scand J Trauma Resusc Emerg Med 16; 33: 90(<\/a><a href=\"https:\/\/sjtrem.biomedcentral.com\/articles\/10.1186\/s13049-025-01411-5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">2025<\/a>)<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beide Studien werden nachfolegnd dargestellt:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Griggs et al.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Methoden<\/u><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Patientendaten zwischen Januar 2022 und Januar 2024 des Hubschrauber Rettungsdienstes (HEMS) in S\u00fcdostengland<\/li>\n<li>die Not\u00e4rzte haben mind. 5 Jahre Berufserfahrung, davon mind. 6 Monate in An\u00e4sthesie. Die Paramedics sind in invasiver \u00dcberwachung geschult<\/li>\n<li>NIBP Messung mit passender Manschettengr\u00f6\u00dfe kontralateral am Oberarm zur IBP Messung<\/li>\n<li>Datenerfassung in 3 Minuten Intervallen f\u00fcr NIBP und 1 Minuten Intervallen f\u00fcr IBP (Wellenform der IBP in Echtzeit auf dem Monitor sichtbar)<\/li>\n<li>Der prim\u00e4re Endpunkt war der Prozentsatz der gleichzeitigen Blutdruckmessungen, die eine paarweise \u00dcbereinstimmung zwischen IBP und NIBP zeigten, definiert als eine Differenz von &lt;10 mmHg (mittlerer arterielle Druck = MAP) oder &lt;20 mmHg (systolischer Blutdruck = SBP und diastolischer Blutdruck = DBP)<\/li>\n<li>Gleichzeitige Datenpaare beziehen sich auf eine invasive und eine nicht-invasive Messung, die innerhalb eines Zeitraums von einer Minute bei demselben Patienten in der elektronischen Patientenakte aufgezeichnet wurden<\/li>\n<li>Unterschiede zwischen NIBP und IBP wurden in f\u00fcnf Risikostufen eingeteilt, die von Kategorie A (kein Risiko, kein Unterschied in der klinischen Vorgehensweise) bis E (gef\u00e4hrliches Risiko, unn\u00f6tige (fehlende) Behandlung mit schwerwiegenden lebensbedrohlichen Folgen) reichen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Einschlusskriterien<\/strong>:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Patientenalter mind. 18 Jahre<\/li>\n<li>Verdacht auf TBI oder sICB<\/li>\n<li>erfolgreiche Etablierung einer arteriellen Kan\u00fcle, um ICB und NIBP messen zu k\u00f6nnen<\/li>\n<li>ausschlie\u00dflich pr\u00e4klinische Patienten, keine Verlegungen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Ergebnisse<\/u><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>209 Patienten mit insgesamt 1020 IBP-NIBP-Datenpaare zum Vergleich wurden eingeschlossen (die mittlere Anzahl der Messungen pro Patient betrug 9 (IQR 3\u201315, Bereich: 1\u201329)<\/li>\n<li>davon 159 Patienten mit TBI (827 Datenpaare) und 50 Patienten mit sICB (193 Datenpaare)<\/li>\n<li>die meisten Patienten waren m\u00e4nnlich (185\/209, 80%)<\/li>\n<li>das mittlere Alter betrug 51 (41-68) Jahre<\/li>\n<li>die arterielle Kan\u00fclierung wurde in 80% im ersten Versuch etabliert<\/li>\n<li>die A. radialis wurde in 73% punktiert, gefolgt von der A. femoralis (4%) und A. brachialis (2%). In 21% fehlen die Daten dazu<\/li>\n<li>mittlerer GCS von 6 (4-8)<\/li>\n<li>198\/209 Patienten wurden intubiert (95%), davon erhielten 153\/198 Patienten (77%) vor der Einleitung einen arteriellen Zugang zur Messung des IBP, 73 Patienten erhielten Vasopressoren<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>NIBP vs. IBP:<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>NIBP \u00fcbersch\u00e4tzte den MAP bei hypotensiven Patienten und untersch\u00e4tzte diesen bei hypertensiven Patienten<\/li>\n<li>der durchschnittliche (95 % Konfidenzintervall) Unterschied im MAP betrug -1,4 mmHg (-3,09 bis 0,27)<\/li>\n<li>bei Patienten mit TBI betrug die mittlere Differenz des MAP (unter Ber\u00fccksichtigung der Richtung der Differenz) zwischen IBP und NIBP 2,5 mmHg (\u00dcbereinstimmungsgrenzen \u221249,3 bis 54,4 mmHg)<\/li>\n<li>bei Patienten mit sICB betrug die mittlere Differenz des MAP zwischen IBP und NIBP \u22123,5 mmHg (\u00dcbereinstimmungsgrenzen 56,4 bis 63,4 mmHg)<\/li>\n<li>in 6% (95 % KI: 4,4\u20137,7) der gepaarten Messungen bei TBI unterschied sich der NIBP vom IBP mit hoher klinischer Relevanz (moderates bis gef\u00e4hrliches Risiko, Kategorien C\u2013E)<\/li>\n<li>in 13% (95 % KI: 7,8\u201317,2) der gepaarten Messungen bei sICB unterschied sich der NIBP vom IBP mit hoher klinischer Relevanz (moderates bis gef\u00e4hrliches Risiko, Kategorien C\u2013E)<\/li>\n<li>der kumulative Prozentsatz der MAP Messungen, die in die Kategorien mit geringem Risiko (A\u2013B) fielen, betrug 88% (95 % KI: 82,8\u201392,2)<\/li>\n<li>paarweise \u00dcbereinstimmung zwischen IBP und NIBP: &lt;10 % Differenz f\u00fcr MAP in 57% und &lt;20 % f\u00fcr SBP in 77% und DBP in 66%<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eichlseder et al.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Methoden<\/u><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Einschlusskriterien: Erwachsene Patienten (mind. 18 Jahre) mit vermutetem Schlaganfall zwischen Januar 2018 und Dezember 2023, die in das Universit\u00e4tsklinikum Graz eingeliefert wurden<\/li>\n<li>Einteilung in zwei Gruppen: mit und ohne pr\u00e4klinischer invasiver Blutdruckmessung<\/li>\n<li>der prim\u00e4re Endpunkt war das Zeitintervall zwischen der Ankunft des Notarztes am Einsatzort und der ersten cranialen Computertomographie (CCT) im Klinikum<\/li>\n<li>sekund\u00e4re Endpunkte waren die Zeit zwischen der Ankunft des Notarztes am Einsatzort und der \u00dcbergabe im Schockraum, die Verweildauer des Notarztes am Einsatzort, die Transportdauer und die Zeit zwischen der \u00dcbergabe im Schockraum und der ersten CCT<\/li>\n<li>zus\u00e4tzlich wurde der systolische und diastolische Blutdruck bei Ankunft im Schockraum mit in die Auswertung aufgenommen<\/li>\n<li>um eine randomisierte Struktur nachzuahmen, wurde ein Propensity-Score-Matching durchgef\u00fchrt<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Ergebnisse<\/u><\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>100 Patienten wurden eingeschlossen, davon erhielten 67 Patienten pr\u00e4klinisch eine IBP und 33 Patienten im Schockraum<\/li>\n<li>alle 100 Patienten wurden pr\u00e4klinisch intubiert<\/li>\n<li>57% waren m\u00e4nnlich<\/li>\n<li>das mittlere Alter betrug 72 (61-80) Jahre<\/li>\n<li>mittels Matching ergaben sich in den beiden Gruppen jeweils 33 Patienten<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In den gematchten Kohorten &#8230;<\/strong><\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>&#8230; gab es keinen Unterschied in der medianen Zeit zwischen der Ankunft am Unfallort und der ersten CCT in der pr\u00e4klinischen und klinischen Gruppe (79 (77\u201387) Minuten vs. 73 (67\u201381) Minuten, p = 0,21<\/li>\n<li>war die Zeit am Unfallort in der pr\u00e4klinischen Gruppe signifikant verl\u00e4ngert 45 (37\u201351) vs. 36 (33\u201343) Minuten, p = 0,009<\/li>\n<li>&#8230; unterschieden sich zwischen pr\u00e4klinischer und klinischer Gruppe die Zeiten vom Eintreffen am Unfallort bis zur \u00dcbergabe (65 (52\u201373) vs. 56 (51\u201365) Minuten, p = 0,08), die Transportdauer (18 (11\u201325) vs. 20 (13\u201331) Minuten, p = 0,20) und die Schockraumbehandlung (16 (12\u201320) vs. 16 (11\u201321) Minuten, p = 0,39) nicht signifikant<\/li>\n<li>&#8230; wurden bei der Ankunft im Schockraum keine Unterschiede zwischen systolischem (127 (109\u2013150) vs. 130 (110\u2013160) mmHg, p = 0,99) und diastolischem Blutdruck (80 (60\u201390) vs. 80 (65\u201390) mmHg, p = 0,57) zwischen den beiden Gruppen festgestellt<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Diskussion <\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei der Verwendung von NIBP zur Steuerung der pr\u00e4hospitalen H\u00e4modynamik bei Patienten mit TBI oder sICB bei einem erheblichen Anteil der Patienten klinisch relevante Messungenauigkeiten beobachtet wurden, insbesondere bei Hypo- oder Hypertonie. Die Autoren gehen davon aus, dass die pr\u00e4hospitale invasive Blutdruck\u00fcberwachung das Potenzial hat, eine fr\u00fchzeitige h\u00e4modynamische Optimierung zu erreichen, insbesondere bei extremen Blutdruckwerten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie in fr\u00fcheren (krankenhausinternen) Studien war der Gesamtunterschied im durchschnittlichen MAP zwischen invasiven und nicht-invasiven Messungen in dieser Studie gering (-1,4 mmHg). Das individuelle Risiko der Patienten l\u00e4sst sich jedoch anhand dieser Zahl nicht gut ausdr\u00fccken, da der Prozentsatz der Patienten, die die Kriterien f\u00fcr eine paarweise Diskrepanz zwischen NIBP und IBP erf\u00fcllten, betr\u00e4chtlich war (43% der MAP-Werte, 23% der SBP-Werte und 34% der DBP-Werte), was eine erhebliche Variation und das Potenzial f\u00fcr eine \u00dcber- oder Unterbehandlung bei einem gro\u00dfen Anteil der Patienten bietet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl Behandlungsentscheidungen in der Regel auf der Grundlage physiologischer Trends und nicht aufgrund einzelner Messungen getroffen werden, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die nicht-invasive \u00dcberwachung zu jedem Zeitpunkt die therapeutische Entscheidungsfindung bei einem gro\u00dfen Teil der Patienten ver\u00e4ndern und damit die Wirksamkeit der pr\u00e4klinischen neuroprotektiven Versorgung beeintr\u00e4chtigen kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere bei l\u00e4ngeren Transportzeiten kann eine pr\u00e4hospitale IBP zur Aufrechterhaltung der h\u00e4modynamischen Optimierung beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall, die pr\u00e4hospital intubiert wurden und eine IBP erhielten, war die Zeit vom Eintreffen am Unfallort bis zur ersten CCT, im Vergleich zu denjenigen Patienten, bei denen pr\u00e4hospital keine IBP etabliert wurde, nicht signifikant verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In einer Studie von Wildner et al. ben\u00f6tigte man f\u00fcr die pr\u00e4klinische arterielle Kan\u00fclierung im Median zwei Minuten und die Vorbereitung der invasiven Messung, die in der Regel gleichzeitig durchgef\u00fchrt wurde, betrug im Median drei Minuten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Frage bleibt, ob die pr\u00e4hospitale Etablierung einer IBP mit der damit verbundenen l\u00e4ngeren Einsatzdauer einen ausreichenden klinischen Nutzen bietet, um ihren Einsatz zu rechtfertigen. Um diese Frage vollst\u00e4ndig zu beantworten, sind weitere gro\u00dfe prospektive randomisierte Studien erforderlich.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die folgenden Aspekte k\u00f6nnten jedoch daf\u00fcr sprechen: In der Studie von Fouche et al. war eine l\u00e4ngere Einsatzdauer mit einer h\u00f6heren \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit bei Patienten mit h\u00e4morrhagischem Schlaganfall und Notfallnarkose verbunden. Im Gegensatz dazu sank aber die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit bei Patienten mit traumatischer Hirnverletzung mit l\u00e4ngerer Einsatzdauer. Ein Zusammenhang zwischen verl\u00e4ngerter Einsatzdauer und verbesserter \u00dcberlebensrate scheint im Allgemeinen nicht plausibel, und die Studie weist ein hohes Verzerrungspotenzial auf. Das k\u00f6nnte jedoch darauf hindeuten, dass bei Patienten mit Schlaganfall und Notfallnarkose trotz einer Verl\u00e4ngerung der Einsatzdauer noch Spielraum und Zeit f\u00fcr zus\u00e4tzliche fortgeschrittene pr\u00e4hospitale Interventionen vorhanden sind, die einen Nutzen bieten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessanterweise wurde in der vorliegenden Studie von Eichlseder et al. kein Unterschied des Blutdrucks bei Ankunft im Schockraum zwischen den beiden Gruppen festgestellt. Erkl\u00e4rbar w\u00e4re dies dadurch, dass die Blutdruckmessung auf einen einzigen Zeitpunkt w\u00e4hrend der \u00dcbergabe beschr\u00e4nkt war. Zum diesem Zeitpunkt k\u00f6nnen Situationen mit einem hohen Risiko f\u00fcr h\u00e4modynamische St\u00f6rungen, wie z. B. die Narkoseeinleitung, bereits vor\u00fcber und therapiert worden sein und ein stabiler Zustand konnte wieder hergestellt werden (Gabe von Vasopressoren, zunzureichende Narkosetiefe). Eichlseder et al. sowie Griggs et al. geben an, dass der NIBP auch die H\u00e4ufigkeit einer Hypotonie untersch\u00e4tzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>\n<blockquote><p>Mehrere Studien, die invasive mit nicht-invasiven Blutdruckwerten verglichen haben, zeigten, dass die nicht-invasiv gemessenen Werte bei h\u00e4modynamischer Instabilit\u00e4t h\u00e4ufig ungenau sind. Gerade in den Leitlinien zum h\u00e4morrhagischen Schlaganfall wird bei diesen Patienten eine engmaschige Blutdruck\u00fcberwachung mit eng eingestellten Grenzwerten empfohlen<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>NIBP \u00fcbersch\u00e4tzt den MAP bei Hypotonie und untersch\u00e4tzt diesen bei Hypertonie<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>Durch Einsatz einer pr\u00e4hospitalen invasiven Blutdruck\u00fcberwachung kann eine fr\u00fchzeitige h\u00e4modynamische Optimierung erreicht werden, insbesondere bei Hypo- oder Hypertonie<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>Die IBP kann zur Neuroprotektion in der hyperakuten Phase beitragen<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<li>\n<blockquote><p>Die Etablierung einer IBP im pr\u00e4hospitalen Bereich verl\u00e4ngert die Einsatzzeit nicht signifikant<\/p><\/blockquote>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Ferdinand Maier, Ulm\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 Mehr als 12 Millionen Menschen erleiden j\u00e4hrlich einen Schlaganfall. 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Faktor X zu Faktor Xa). 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Viele Rettungsdienste sind derzeit noch nicht in der Lage pr\u00e4hospitale Bluttransfusionen durchzuf\u00fchren, sodass auch eine breite Anwendung und Datenlage bislang fehlen. 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