{"id":19586,"date":"2025-05-11T01:12:39","date_gmt":"2025-05-10T23:12:39","guid":{"rendered":"https:\/\/news-papers.eu\/?p=19586"},"modified":"2025-05-11T05:01:09","modified_gmt":"2025-05-11T03:01:09","slug":"kompetenzanforderungen-an-advanced-paramedics","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=19586","title":{"rendered":"Kompetenzanforderungen an Rettungsfachpersonal"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"\"><strong>Ein Gastbeitrag von Ferdinand Maier, Ulm&nbsp; <\/strong><\/span>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Aufgaben des Rettungsfachpersonals sind sehr komplex. Wechselnde Arbeitsumgebungen, 12 bis 24 Stunden Dienst und hohe Anforderungen an Wissen sowie Kenntnisse von verschiedenen Arbeitstechniken erfordern vielf\u00e4ltige Kompetenzen (von einer sog. Kernkompetenz bis zu einer Vielzahl von Einzelkompetenzen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In einer britischen Studie von Vopelius-Feldt et al. [1] wurden 389 solcher Kompetenzen aufgezeigt. Dabei jedoch wurde die Reihenfolge der Wichtigkeit dieser Kompetenzen nicht ausreichend betrachtet. Deshalb haben Tanninen et al. Rettungsdienstleiter in Finnland nach den erforderlichen Kompetenzen von advanced Paramedics befragt.<\/p>\n<blockquote><p>Tanninen A, Kouvonen A, Nordquist H<\/p>\n<p>Competence expected from advanced-level paramedics by emergency medical services managers in Finland: a modified Delphi study<\/p>\n<p>Scand J Trauma Resusc Emerg Med 33, 62 (2025)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Methoden<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die vorliegende Studie (Oktober 2022 \u2013 Juni 2023) wurde mithilfe der modifizierten Delphi Methode durchgef\u00fchrt. Daf\u00fcr wurden Meinungen einer Expertengruppe in 3 Runden eingeholt. Die Antwortraten \u00fcber die drei Runden blieb durchweg hoch (100%, 91% und 95%). Die Rekrutierung erfolgte gezielt im ganzen Land verteilt, um Finnland so gut wie m\u00f6glich geographisch mit den jeweiligen Besonderheiten abzudecken. Das Gremium bestand aus 44 Rettungsdienstleitern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Ziel einer Delphi Studie ist es, Wissen von verschiedenen Experten zusammenzuf\u00fchren und so eine Prognose f\u00fcr die Zukunft zu bekommen. Sie besteht aus mindestens zwei Befragungsrunden und wird meistens dann durchgef\u00fchrt, wenn zu es einer bestimmten Fragestellung wenige bis keine Daten dazu gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einschlusskriterien f\u00fcr das Expertengremium:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li>In einer F\u00fchrungsposition t\u00e4tig oder in einer solchen die letzten 2 Jahre gearbeitet<\/li>\n<li>Paramedics mit langj\u00e4hriger Erfahrung und T\u00e4tigkeit im operativen als auch bereits im administrativen Bereich<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><u>Kurze Zusammenfassung \u00fcber die 3 Befragungsrunden der vorliegenden Studie<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Aussagen wurden in der ersten Runde auf Grundlage der ANC-Skala (Ambulance Nurse Competence) von Nilsson et al. formuliert, die folgende 8 Faktoren enth\u00e4lt (spiegelt die Kompetenzmerkmale der nordischen Pr\u00e4hospitalversorgung weitestgehend wider): Pflege, wertorientierte Pflege, medizinisch-technische Versorgung, Pflegeumfeld Gemeinschaft, Pflegeumfeld schwerwiegende Ereignisse, F\u00fchrungsmanagement, Supervision und berufliches Verhalten sowie Forschung und Entwicklung. Der Fragebogen umfasste 43 Aussagen und das Gremium musste anhand diesen entscheiden, \u00fcber welches Kompetenzniveau die Paramedics auf einer Skala von 1 bis 7 verf\u00fcgen sollten (1 = sehr schlecht, 2 = schlecht, 3 = befriedigend, 4 = mittelm\u00e4\u00dfig, 5 = sehr gut, 6 = ausgezeichnet, 7 = hervorragend). Die Antworten wurden von der urspr\u00fcnglichen Skala von 1 bis 7 in eine neue Skala von 1 bis 5 umgewandelt: schlecht = 2 und befriedigend = 3 wurden zu schlecht = 2 zusammengefasst, sehr gut = 5 und ausgezeichnet = 6 wurden zu sehr gut = 4 zusammengefasst. Ein Konsens wurde als erreicht angesehen, wenn 75% der Antworten in einer der 5 endg\u00fcltigen Kategorien \u00fcbereinstimmten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Runde 2 wurde dem Gremium eine Zusammenfassung der ersten Runde dargelegt. Sie wurden nach ihrer Meinung zu Aussagen befragt, die z.B. keinen Konsens erhalten haben. Diese wurden ebenfalls neu bewertet und dazu jeweils der Mittelwert berechnet. Offene Fragen aus Runde 1 wurden zu neuen Aussagen umformuliert. In Runde 3 wurden die Aussagen mit einer Rangfolge belegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><u>Runde 1<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der ersten Runde wurden den Expertengremium (n=44) insgesamt 43 Aussagen vorgelegt. Davon erhielten 5 Aussagen einen Konsens von mindestens 75%:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li>Organisation der Pflege zur F\u00f6rderung des Wohlbefindens der Patienten und ihrer Angeh\u00f6rigen<\/li>\n<li>Erkennen von Patienten mit Risikoverhalten und Interaktion mit optimalen Versorgungsstufen<\/li>\n<li>Beurteilung des Zustandes des Patienten nach dem ABCDE Schema, Durchf\u00fchrung von Untersuchungen, Entscheidung und Bewertung von Interventionen<\/li>\n<li>die Aufsicht in der Pflege initiieren und verantworten<\/li>\n<li>Verantwortung f\u00fcr die gr\u00fcndliche und kontinuierliche Betreuung von Auszubildenden \u00fcbernehmen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Es wurden insgesamt 20 offene Antworten von den Experten abgegeben (Einzelw\u00f6rter bis zu mehr als 160 W\u00f6rter), welche in 7 neue Aussagen umformuliert wurden:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify\">\n<li>Erkennen von L\u00fccken in der eigenen Kompetenz<\/li>\n<li>sich um die eigene k\u00f6rperliche Funktionsf\u00e4higkeit k\u00fcmmern<\/li>\n<li>das Arbeitsleben und die zwischenmenschlichen F\u00e4higkeiten am Arbeitsplatz nutzen k\u00f6nnen<\/li>\n<li>f\u00fcr eigenes Wohlbefinden bei der Arbeit sorgen<\/li>\n<li>den Rettungswagen zuverl\u00e4ssig im Verkehr steuern<\/li>\n<li>bei Eins\u00e4tzen als Einsatzleiter fungieren<\/li>\n<li>die Funktionsprinzipien des Rettungswesens verstehen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify\">Somit wurden 45 Aussagen (38 Aussagen, die keinen Konsens erreichten und 7 Aussagen aus den offenen Antworten) in Runde 2 weitergeleitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><u>Runde 2<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Keine der 45 Aussagen erreichten einen Konsens von 75%. Die Mittelwerte der Runden 1 und 2 reichten von 4,72 bis 3,05. Der h\u00f6chste Mittelwert wurde f\u00fcr die Aussage \u201ebeurteilt den Zustand des Patienten nach ABCDE (&#8230;)\u201c (4,72) gefunden. Die 15 Aussagen mit den h\u00f6chsten Mittelwerten wurden in Runde 3 vorgelegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><u>Runde 3<\/u><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Experten erstellten aus diesen 15 Aussagen nun eine Rangfolge:<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify\">\n<li>Beurteilung des Zustands des Patienten nach ABCDE, Durchf\u00fchrung von Untersuchungen, Entscheidung und Bewertung von Interventionen (27 Experten stuften diese Forderung als sehr entscheidend ein)<\/li>\n<li>Interpretation von Werten und Vitalparametern als Entscheidungsgrundlage f\u00fcr Interventionen in der Gesundheitsversorgung<\/li>\n<li>Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Bedeutung und die Konsequenzen der Befolgung oder Abweichung von Behandlungsrichtlinien<\/li>\n<li>Systematisches Vorgehen bei der Pflege kranker oder verletzter Patienten<\/li>\n<li>Dokumente, Bewertungen und Berichte \u00fcber den Einsatz gew\u00e4hrleisten die Patientensicherheit<\/li>\n<li>Transport kranker oder verletzter Patienten schonend und verkehrsgerecht<\/li>\n<li>Erkennen von Symptomen und Krankheitszeichen, F\u00f6rderung des Wohlbefindens und Vorbeugung von pflegebedingtem Leiden<\/li>\n<li>Einnehmen einer Haltung, die den Ruf des Berufsstandes und das Vertrauen der \u00d6ffentlichkeit f\u00f6rdert<\/li>\n<li>Zusammenarbeit mit Rettungsdienst und Polizei im Ernstfall<\/li>\n<li>An die Bed\u00fcrfnisse der Patienten angepasste Pflege und Behandlung w\u00e4hrend des Transports<\/li>\n<li>Identifizierung von Risikoumgebungen und Schaffung eines sicheren Pflegebereichs<\/li>\n<li>F\u00fcr eigenes Wohlbefinden bei der Arbeit sorgen<\/li>\n<li>Durchf\u00fchrung der Triage von Patienten bei schwerwiegenden Ereignissen<\/li>\n<li>Vorbereitung auf Bedrohungen und Gewaltsituationen<\/li>\n<li>Den Rettungswagen zuverl\u00e4ssig im Verkehr steuern<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Diskussion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Arbeit im Rettungsdienst hat sich auf ein umfassendes Spektrum an T\u00e4tigkeiten ausgeweitet. Es werden viele F\u00e4higkeiten gefordert, um eine optimale Versorgung zu erm\u00f6glichen. Neben einer alternden Patientenpopulation steigt das Einsatzaufkommen. Die Benennung von <em>non-technical skills<\/em> wie das Sorgen um das eigene Wohlbefinden oder das Einnehmen einer \u00f6ffentlichkeitswirksamen Haltung zeigt, dass die Ausbildung im Rettungsdienst stetig angepasst werden muss, um den gestiegenen Anforderungen gerecht werden zu k\u00f6nnen. So spielen beispielsweise in der heutigen Zeit Bedrohungslagen eine zunehmende Rolle, auf die der Rettungsdienst sich vorbereiten muss (Nr. 14).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zusammenfassend unterstreichen die erzielten Ergebnisse die Bedeutung grundlegender F\u00e4higkeiten des Rettungsfachpersonals, insbesondere die Einsch\u00e4tzung und Behandlung der Patienten nach dem ABCDE Schema.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li>von Vopelius-Feldt J, Benger J. Who does what in prehospital critical care? An analysis of competencies of paramedics, critical care paramedics and prehospital physicians. Emerg Med J 31: 1009\u201313 (2014)<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Ferdinand Maier, Ulm&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Aufgaben des Rettungsfachpersonals sind sehr komplex. 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