{"id":18266,"date":"2024-05-05T04:28:47","date_gmt":"2024-05-05T02:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=18266"},"modified":"2025-01-15T09:48:43","modified_gmt":"2025-01-15T08:48:43","slug":"jede-minute-zaehlt-verbessertes-outcome-bei-penetrierendem-trauma-durch-fortgeschrittene-praehospitale-volumentherapie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=18266","title":{"rendered":"Jede Minute z\u00e4hlt: Verbessertes Outcome bei penetrierendem Trauma durch fr\u00fchzeitige pr\u00e4hospitale Transfusion"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Ein Gastbeitrag von Stefanie Maier, Ulm\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Interesse am pr\u00e4hospitalen Einsatz von Blutprodukten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Viele Rettungsdienste sind derzeit noch nicht in der Lage pr\u00e4hospitale Bluttransfusionen durchzuf\u00fchren, sodass auch eine breite Anwendung und Datenlage bislang fehlen. Bei Patienten mit h\u00e4morrhagischem Schock sind eine fr\u00fchzeitige Blutstillung und Volumensubstitution eine der wichtigsten Ma\u00dfnahmen. Das Prinzip \u201eGolden hour of trauma\u201c beschreibt das kurze Zeitfenster nach einer traumatischen Verletzung, das als entscheidende Zeitspanne f\u00fcr das Outcome der Patienten gesehen wird. Mehrere \u00dcbersichtsarbeiten deuten jedoch darauf hin, dass diese Zeitspanne kleiner ist, als bislang angenommen. Zudem konnte in mehreren Studien ein Anstieg der Mortalit\u00e4tsrate gezeigt werden, je l\u00e4nger sich die Transfusion von Blutprodukten bei Traumapatienten verz\u00f6gerte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Arbeitsgruppe aus New Orleans f\u00fchrte eine retrospektive Analyse f\u00fcr den Zeitraum von Oktober 2021 bis Januar 2023 durch, in der sie den Zeitpunkt der Transfusion mit Blutprodukten auf die Mortalit\u00e4tsrate bei Patienten mit penetrierendem Trauma im zivilen Rettungsdienst untersuchten:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Duchesne J, McLafferty BJ, Broome JM, Caputo S, Ritondale JP, Tatum D, Taghavi S, Jackson-Weaver O, Tran S, McGrew P, Harrell KN, Smith A, Nichols E, Dransfield T, Marino M, Piehl M.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Every minute matters: Improving outcomes for penetrating trauma through prehospital advanced resuscitative care.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/journals.lww.com\/jtrauma\/abstract\/9900\/every_minute_matters__improving_outcomes_for.714.aspx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">J Trauma Acute Care Surg 2024, ePub ahead of print<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Methode<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Blutprodukte wurden in diesem Rettungsdienst pr\u00e4hospital im Rahmen eines Transfusionsprotokolls aus 2 Erythrozytenkonzentraten (EKs), 2g Calcium und 2g Tranexams\u00e4ure (TXA) verabreicht. Die Kriterien f\u00fcr den Einsatz des Transfusionsprotokolls waren:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Blutdruck (RR) &lt; 70 mmHg<\/li>\n<li>Blutdruck &lt; 90 mmHg + Herzfrequenz &gt; 110\/min<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diese Studie eingeschlossen wurden Patienten mit penetrierendem Trauma, die bei Ankunft des Rettungsdienstes eines systolischen Blutdruck \u00a3 90mmHg hatten, sowie mindestens ein EK pr\u00e4hospital erhalten haben. Als Kontrollgruppe wurde eine Vergleichsgruppe aus der Zeit vor dem pr\u00e4hospitalen Einsatz von Blutprodukten genommen, die die gleichen Kriterien erf\u00fcllten. Das prim\u00e4re Ergebnis war die Zeit bis zur Transfusion, sowie die Auswirkung auf die Mortalit\u00e4t im Krankenhaus. Die sekund\u00e4ren Variablen waren u.a. Dauer bis Eintreffen des Rettungsdienstes, Dauer der pr\u00e4hospitalen Versorgung, Transportdistanz, Vitalparameter, Ma\u00dfnahmen in der Notaufnahme, Dauer des Aufenthaltes auf Intensivstation und Gesamtdauer des Krankenhausaufenthaltes. Mit dem Ziel unabh\u00e4ngige Pr\u00e4diktoren f\u00fcr die Mortalit\u00e4t im Krankenhaus zu ermitteln wurde zudem ein multivariates logistisches Modell erstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ergebnisse<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt haben 143 Patienten (n= 61 Studiengruppe; n= 82 Kontrollgruppe) die Voraussetzungen der Studie erf\u00fcllt und wurden eingeschlossen (83,5% m\u00e4nnlich). Das Durchschnittsalter lag bei 34 Jahren (24-43), sowie der durchschnittliche New Injury Serverity Score (NISS) bei 22 (14-30).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mittlere Versorgungszeit vom Eintreffen des Rettungsdienstes bis zum Verlassen des Einsatzortes war in der Studiengruppe (8 Minuten) statistisch signifikant l\u00e4nger als in der Kontrollgruppe (6 Minuten; <em>p<\/em>&lt;0,001). Erg\u00e4nzend dazu war die gesamte pr\u00e4hospitale Zeitspanne in der Studiengruppe l\u00e4nger (24,5 vs. 20 Minuten; <em>p<\/em>&lt;0,001).<\/p>\n<blockquote><p><em>Die dokumentierten pr\u00e4hospitalen Versorgungszeiten sind mit und ohne Transfusion extrem kurz, da in den (gro\u00df-)st\u00e4dtischen Rettungsdiensten der USA traditionell gerade bei penetrierendem Trauma das &#8222;scoop &#8217;n run&#8220;-Prinzip gilt, um die Patienten m\u00f6glichst schnell einer umfassenden chirurgischen Versorgung zuzuf\u00fchren.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle 61 Patienten der Studiengruppe erhielten pr\u00e4hospital mindestens ein EK, 60 Patienten (98 %) erhielten zwei EKs, 59 von 61 (97 %) erhielten 2g Calcium und 45 von 61 (74 %) erhielten 2g Tranexams\u00e4ure.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Ankunft im Krankenhaus hatte die Studiengruppe einen statistisch signifikant h\u00f6heren medianen systolischen Blutdruck (116,5 vs. 88 mmHg; <em>p<\/em>&lt;0,001) und eine niedrigere mediane Herzfrequenz (79\/min vs. 101\/min; <em>p<\/em>=0,03).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeit bis zur ersten Transfusion war in der Studiengruppe signifikant k\u00fcrzer (8 gegen\u00fcber 26 Minuten; <em>p<\/em>&lt;0,001). Insgesamt war die Mortalit\u00e4t im Krankenhaus in der Studiengruppe niedriger als in der Kontrollgruppe (7 % gegen\u00fcber 29 %; <em>p<\/em>&lt;0,001).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine multivariate logistische Regressionsanalyse wurde durchgef\u00fchrt, um den Einfluss der Zeit bis zum Beginn der ersten Transfusion auf die Mortalit\u00e4t der Patienten zu bewerten. In die Analyse wurden alle 143 Patienten einbezogen. Nach Kontrolle des Patientenalters, des NISS, der Tachykardie bei der Beurteilung durch den Rettungsdienst und des gesamten pr\u00e4hospitalen Zeitintervalls ergab die multivariate Regression einen unabh\u00e4ngigen Anstieg der Sterblichkeit um 11 % mit jeder Minute Verz\u00f6gerung bis zur ersten Transfusion nach der Verletzung (OR 1,11; 95%CI 1,04-1,19). Ein Anstieg des NISS war ebenfalls mit einer erh\u00f6hten Sterblichkeitsrate verbunden (OR 1,12; 95%CI 1,07-1,17; <em>p<\/em>&lt;0,001).<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Schlussfolgerung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es konnte gezeigt werden, dass der pr\u00e4hospitale Einsatz von Blutprodukten die Mortalit\u00e4t bei Patienten mit penetrierendem Trauma trotz verl\u00e4ngerter pr\u00e4hospitaler Versorgungszeit signifikant verringert. Die Autoren folgern daraus, dass der Blutstillung, den grundlegenden Atemwegsma\u00dfnahmen und den Bem\u00fchungen um eine Verringerung unn\u00f6tiger Transportverz\u00f6gerungen weiterhin ein angemessener Stellenwert einger\u00e4umt werden sollte, eine effektive Volumensubstitution mit Blutprodukten jedoch eine bedeutende M\u00f6glichkeit zur Verbesserung des Outcomes von Traumapatienten darstellen kann.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Stefanie Maier, Ulm\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Interesse am pr\u00e4hospitalen Einsatz von Blutprodukten ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. 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Daher wird bisweilen im Sinne einer schnellen chirurgischen Versorgung das sog. \u201eLoad-and-Go\u201c-Prinzip pr\u00e4feriert. 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