{"id":16324,"date":"2022-12-12T01:05:29","date_gmt":"2022-12-12T00:05:29","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=16324"},"modified":"2022-12-11T11:06:27","modified_gmt":"2022-12-11T10:06:27","slug":"reboa-praehospital","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=16324","title":{"rendered":"REBOA pr\u00e4hospital ?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><strong>Ein Gastbeitrag von Yannick Beres, Ulm:<\/strong><\/span>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<span style=\"color: #000000;\">\u201eResuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta\u201c (<strong>REBOA<\/strong>) ist eine minimalinvasive Technik, um mittels endovaskul\u00e4re Okklusion der Aorta, eine nicht komprimierbare kritische Blutung im Bereich des Abdomens oder Beckens tempor\u00e4r zu kontrollieren. Neben der Blutungskontrolle erreicht man \u00fcber die Okklusion \u201enach unten\u201c eine Verbesserung der zerebralen und koronaren Durchblutung und erh\u00f6ht damit die Zeit, um Patienten einer definitiven chirurgischen Versorgung zuzuf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Zur Anlage der REBOA wird die Leistenarterie punktiert und eine Schleuse eingelegt. \u00dcber diese wird ein Ballonkatheter bis auf die gew\u00fcnschte H\u00f6he in der Aorta vorgeschoben und blockiert. M\u00f6gliche Komplikationen sind abh\u00e4ngig von der Liegedauer und liegen in systematischen Reviews bei etwa 5%. Dabei treten Komplikationen durch Minderperfusion distal des Gef\u00e4\u00dfballons, Komplikationen durch Dislokation des Drahtes und Komplikationen durch den Blockballon, insbesondere intraarterielle Thromben auf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Der pr\u00e4hospitale Einsatz von REBOA erfolgt bisher nur in ausgew\u00e4hlten europ\u00e4ischen Luftrettungszentren, sowie in milit\u00e4rischen Spezialeinheiten weltweit.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Kollegen um Peter Hilbert-Carius aus Halle stellten sich in einem aktuell erschienen Artikel die Frage, ob wir dieses Verfahren pr\u00e4hospital ben\u00f6tigen:<br \/>\n<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"color: #000000;\">Hilbert-Carius P, Schmalbach B, Wrigge H, Schmidt M, Abu\u2011Zidan FM, <\/span><span style=\"color: #000000;\">Aschenbrenner U, Streibert F<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Do we need pre-hospital resuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta (REBOA) in the civilian helicopter emergency medical services (HEMS)?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Intern Emerg Med (2022)- published ahead of print<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">doi:10.1007\/s11739-022-03158-8<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In einer retrospektiven Analyse betrachten die Autoren die Daten aller 29 St\u00fctzpunkte der <a href=\"https:\/\/www.drf-luftrettung.de\/8\/de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DRF-Luftrettung<\/a> in Deutschland im Zeitraum von Januar 2015 bis Juni 2021. Aus den Daten wurden alle Patienten \u00fcber 16 Jahren mit stumpfen traumatischen Verletzungsmuster und einem NACA-Score von \u22654 in die Studie aufgenommen. Daraus ergaben sich insgesamt 22.426 Traumapatienten, die dann mittels selbstbestimmter Kriterien (siehe \u00dcbersicht) nach Indikationen f\u00fcr eine REBOA-Anlage \u00fcberpr\u00fcft wurden.<\/span><\/p>\n<blockquote><p>Kriterien der Studie f\u00fcr eine m\u00f6gliche REBOA-Anlage<\/p>\n<ul>\n<li>RRsyst &lt;90mmHg, HF &gt;100\/min <strong>plus<\/strong><\/li>\n<li>angenommene nicht stillbare Blutung im Bereich Abdomen, Becken oder untere Extremit\u00e4t (bei fehlender M\u00f6glichkeit oder unzureichender Effektivit\u00e4t eines Tourniquets)<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Diese Kriterien wurden einmal bei Erstkontakt mit dem HEMS-Provider (On-Scene Gruppe) angewendet und einmal bei \u00dcbergabe im Schockraum (Handover-Gruppe), um auch Patienten einzuschlie\u00dfen, deren Zustand sich im Verlauf verschlechterte. In einer Subgruppenanalyse wurden dann noch einmal anhand der oben genannten Vitalparameter unterschieden: Patienten mit einem systolischen Blutdruck (RRsyst) von 76-89mmHg und einer Herzfrequenz (HF) von 100-119\/min wurden einem vermutlich niedrigen vorteilhaften Effekt durch pr\u00e4hospitale REBOA zugeordnet, Patienten mit einem RRsyst von &lt;76mmHG und einer HF &gt;119\/min einem vermutlich klar vorteilhaften Effekt durch pr\u00e4hospitale REBOA zugeordnet.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">In der On-Scene-Gruppe wurden insgesamt 502 (2.24%) Patienten f\u00fcr eine m\u00f6gliche pr\u00e4hospitale REBOA identifiziert, dabei 192 Patienten mit einem vermutlich klar vorteilhaften Effekt.\u00a0 In der Handover-Gruppe ergaben sich 215 (1.04%) PatientInnen f\u00fcr einen m\u00f6glichen REBOA-Einsatz, 40 PatientInnen davon f\u00fcr einen m\u00f6glichen klar vorteilhaften Effekt durch die Intervention.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Als <\/span>Limitationen<span style=\"color: #000000;\"> nannten die Autoren die Datengewinnung aus einer Datenbank, die nicht f\u00fcr die wissenschaftliche Auswertung gedacht war und bei der Folgedaten aus dem Klinikaufenthalt der PatientInnen fehlen. Auch die benutzten Entscheidungsb\u00e4ume zur REBOA-Anlage geben nicht alle klinischen Daten wieder, die die Indikationsstellung beeinflussen k\u00f6nnten. Auch der Einsatz von pr\u00e4hospitalem Ultraschall ist eine wichtige M\u00f6glichkeit die Indikationsstellung zu festigen. Die Autoren geben weiterhin an, dass auch ohne den Einsatz von REBOA 2\/3 der initial instabilen PatientInnen durch die pr\u00e4hospitalen Teams stabilisiert werden konnten.<\/span><\/p>\n<blockquote><p>F\u00fcr die pr\u00e4hospitale Indikationsstellung empfehlen die Autoren folgende Parameter:<\/p>\n<ul>\n<li>Patient mit Schock oder Hypotension aufgrund von Blutung <strong>plus<\/strong><\/li>\n<li>derangierte Vitalparameter <strong>plus<\/strong><\/li>\n<li>schlechtes Ansprechen auf initiale Volumentherapie <strong>plus<\/strong><\/li>\n<li>intraabdominale Fl\u00fcssigkeit im Ultraschall oder Hinweise auf instabile Beckenverletzung<\/li>\n<\/ul>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #000000;\">Kommentar:<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die abschlie\u00dfend propagierten Parameter zur Indikationsstellung sind sicherlich eine nachvollziehbare Empfehlung f\u00fcr die REBOA-Anlage. Durch den Einsatz von pr\u00e4hospitalem Ultraschall kann die Entschlussfindung nochmals beschleunigt werden. Nichtsdestotrotz sollte festgehalten werden, dass die REBOA-Anlage pr\u00e4hospital eine anspruchsvolle Teamma\u00dfnahme ist, die aufgrund der niedrigen Prozedurraten ein suffizientes Training voraussetzt und ab Inflation des Ballons eine z\u00fcgige Zuf\u00fchrung in eine entsprechend informierte und vorbereitete chirurgischen Versorgung erfordert. Die bisher publizierten \u00dcberlebensraten von pr\u00e4hospitalen REBOA-Anlagen [1] sind vielversprechend, allerdings auch immer unter dem Gesichtspunkt des Publikationsbias zu sehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">[1] Thrailkill MA, Gladin KH, Thorpe CR et al.\u00a0 Resuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta (REBOA): update and insights into current practices and future directions for research and implementation.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Scand J Trauma Resusc Emerg Med 29:8 (2021)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Yannick Beres, Ulm:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eResuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta\u201c (REBOA) ist eine minimalinvasive Technik, um mittels endovaskul\u00e4re Okklusion der Aorta, eine nicht komprimierbare kritische Blutung im Bereich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":8239,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"__cvm_playback_settings":[],"__cvm_video_id":"","jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"_wpas_customize_per_network":false},"categories":[1150],"tags":[408],"class_list":["post-16324","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reboa","tag-reboa"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Bildschirmfoto-2018-10-11-um-13.00.01.png?fit=838%2C660","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p7fR2g-4fi","jetpack-related-posts":[{"id":19253,"url":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=19253","url_meta":{"origin":16324,"position":0},"title":"REBOA \u2013 Aktuelle Erkenntnisse \u00fcber Einsatz, Technik und Management","author":"Bj\u00f6rn Hossfeld","date":"Februar 24, 2025","format":false,"excerpt":"Ein Gastbeitrag von Ferdinand Maier, Ulm\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Blutungen geh\u00f6ren nach wie vor zu den h\u00e4ufigsten Todesursachen bei Trauma sowohl in der Zivilbev\u00f6lkerung als auch bei den Streitkr\u00e4ften. Die Resuscitative Endovascular Balloon Occlusion of the Aorta (REBOA) stellt im Gegensatz zu der invasiven Notfallthorakotomie eine minimal-invasive Technik dar, die als vor\u00fcbergehende\u2026","rel":"","context":"In &quot;REBOA&quot;","block_context":{"text":"REBOA","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?cat=1150"},"img":{"alt_text":"REBOA","src":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/2016-10-09%4016-07-36-e1476111538792.jpg?fit=500%2C827&resize=350%2C200","width":350,"height":200},"classes":[]},{"id":17239,"url":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=17239","url_meta":{"origin":16324,"position":1},"title":"REBOA Trial abgebrochen &#8211; und jetzt ?","author":"Bj\u00f6rn Hossfeld","date":"Juli 18, 2023","format":false,"excerpt":"Ein Gastbeitrag von Yannick Beres, Ulm:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eResuscitative endovascular balloon occlusion of the aorta\u201c (REBOA) ist eine minimalinvasive Technik, um mittels endovaskul\u00e4re Okklusion der Aorta, eine nicht komprimierbare kritische Blutung im Bereich des Abdomens oder Beckens tempor\u00e4r zu kontrollieren. 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