{"id":12583,"date":"2020-12-01T04:30:03","date_gmt":"2020-12-01T03:30:03","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=12583"},"modified":"2020-11-25T11:48:31","modified_gmt":"2020-11-25T10:48:31","slug":"skiunfaelle","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=12583","title":{"rendered":"Skiunf\u00e4lle"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"12584\" data-permalink=\"http:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=12584\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/image2-rotated-e1606249903972.jpeg?fit=1000%2C750\" data-orig-size=\"1000,750\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"image2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/image2-rotated-e1606249903972.jpeg?fit=1024%2C768\" class=\"size-medium wp-image-12584 alignright\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/image2.jpeg?resize=300%2C225\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" \/><strong>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Skisaison steht unmittelbar bevor. Zeit, um mal die einen Blick auf aktuelle Studien zum Thema Skiunf\u00e4lle und deren Pr\u00e4vention zu werfen. Zwei Arbeiten sind mir hier besonders aufgefallen, weil deren Ergebnisse auf den ersten Blick der pers\u00f6nlichen Erwartung widersprechen. Im heutigen Blogbeitrag geht es um den Zusammenhang zwischen dem Tragen von Helmen bei Skifahren bzw. Snowboarden und der Verletzungsschwere der Patienten.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Porter ED et al. <\/strong><strong>Helmet use is associated with higher Injury Severity Scores in alpine skiers and snowboarders evaluated at a Level I trauma center. <\/strong><strong>J Trauma Acute Care Surg 2019; 87:1205-13; DOI: 10.1097\/TA.0000000000002447 <\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dieser retrospektiven Studie wurde die Hypothese untersucht, ob Skifahrer\/Snowboarder, die einen Helm getragen haben, schwerere Verletzungen erleiden als Skifahrer\/Snowboarder ohne Helm. Die Studie kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p><strong>Methoden:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">retrospektive Kohortenstudie<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">ein Level 1-Traumazentrum in den USA (Lebanon, New Hampshire)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Untersuchungszeitraum: November 2010 bis April 2018<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">ein schwerverletzter Patient wurde definiert als ISS (injury severity score) &gt;15<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">da nat\u00fcrlich die Schwere der Verletzungen neben dem Tragen eines Helms auch von weiteren Faktoren abh\u00e4ngig ist, war eine multivariante logistische Regressionsanalyse notwendig. Als weitere beeinflussende Faktoren wurden Alter, Geschlecht, Art der Aktivit\u00e4t (Ski\/Snowboard), Unfallmechanismus (Sturz aus K\u00f6rperh\u00f6he, Sturz beim Sprung oder \u00fcber einen Abhang, Kollision mit einer anderen Person, Kollision mit einem Gegenstand wie z.B. Schneekanone, Liftmast, Baum etc. und Wohnsitz am Unfallort (vermutlich, weil man annimmt, dass Einheimische das Gel\u00e4nde besser kennen und m\u00f6glicherweise die besseren Fahrer sind als \u201eTouristen\u201c)) angenommen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ergebnisse:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>724 Patienten nach einem wurden in diesem Zeitraum nach einem Ski- oder Snowboardunfall aufgenommen<\/li>\n<li>bei 3 Patienten lagen keine Informationen vor, ob ein Helm getragen wurde oder nicht, so dass letztlich 721 Patienten in die Analyse eingeschlossen werden konnten.<\/li>\n<li>mittleres Alter 33\u00b121 Jahre (Range: 3 bis 91 Jahre)<\/li>\n<li>65% (n=468) der Patienten trugen beim Unfall einen Helm<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">74% der Patienten waren Skifahrer, 26% Snowboarder<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">behelmte Skifahrer bzw. Snowboarder hatten (nach multivarianter Regressionsanalyse) ein deutlich h\u00f6heres Risiko daf\u00fcr,\n<ul>\n<li>schwer verletzt zu sein (ISS &gt;15): odds ratio (OR) 2,01, 95%-Konfidenzintervall: 1,30-3,11)<\/li>\n<li>eine intrakranielle Blutung zu erleiden: OR 1,81 (1,10-2,96)<\/li>\n<li>eine lumbosakrale Wirbels\u00e4ulenverletzung zu erleiden OR 1,84 (1,04-2,96)<\/li>\n<li>oder eine Thoraxverletzung zu erleiden: OR 1,66 (1,05-2,61)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">dagegen war bei Helmtr\u00e4gern die Wahrscheinlichkeit deutlich reduziert\n<ul>\n<li>eine Halswirbels\u00e4ulenverletzung zu erleiden: OR 0,51 (0,30-0,89)<\/li>\n<li>eine Skalpierungsverletzung\/Gehirnsch\u00e4delfraktur zu erleiden: OR 0,30 (0,14-0,64)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>interessante Nebenergebnisse:\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Snowboarder hatten deutlich h\u00e4ufiger abdominelle Verletzungen als Skifahrer: Milzverletzungen 14 vs. 5% (p&lt;0,001) und Nierenverletzungen 12 vs. 3% (p&lt;0,001)<\/li>\n<li>w\u00e4hrend des Untersuchungszeitraums nahm die Rate an Helmtr\u00e4gern unter den Patienten von 43% auf 81% deutlich zu (p&lt;0,001), w\u00e4hrend dagegen der Anteil der Patienten mit relevanten Kopfverletzungen (Gehirnersch\u00fctterung, Hirnkontusion, intrakranielle Blutung, Skalpierungsverletzung, Sch\u00e4delfraktur) unver\u00e4ndert blieb (49% vs. 43%, p=0,499)<\/li>\n<li>Snowboarder hatten gegen\u00fcber Skifahrern ein h\u00f6heres Risiko f\u00fcr eine intrakranielle Blutung: OR 1,85 (1,09-3,17)<\/li>\n<li>Kinder und Jugendliche hatten gegen\u00fcber der Altersgruppe der 18- bis 44-j\u00e4hrigen ein Risiko von einem Drittel f\u00fcr Thoraxverletzungen und ein halb so hohe Risiko daf\u00fcr, schwer verletzt zu sein<\/li>\n<li>Alte Patienten (\u226565 Jahre) dagegen im Vergleich zu den 18- bis 44-j\u00e4hrigen ein dreifach so hohes Risiko f\u00fcr intrakranielle Blutungen und ein fast 4-fach so hohes Risiko f\u00fcr HWS-Verletzungen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn die Antwort auf die im Schockraum \u00fcbliche Frage \u201eHat der Patient einen Helm getragen?\u201c \u201eJa!\u201c lautet, dann ist das in keinem Fall ein beruhigendes Signal, sondern eher im Gegenteil eine \u201ered flag\u201c f\u00fcr einen schwerverletzten Patienten und eine intrakranielle Blutung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses auf den ersten Blick \u00fcberraschende Ergebnis ist einfach und wird in der Psychologe als Risikokompensation oder \u201ePeltzman-Effekt\u201c bezeichnet. Ein Sportler oder Autofahrer etc., der sich besser gesch\u00fctzt f\u00fchlt, geht ein h\u00f6heres Risiko ein, f\u00e4hrt schneller und un\u00fcberlegter und erleidet so trotz besserer Schutzausr\u00fcstung die schwereren Verletzungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz:\u00a0 Die Skisaison steht unmittelbar bevor. Zeit, um mal die einen Blick auf aktuelle Studien zum Thema Skiunf\u00e4lle und deren Pr\u00e4vention zu werfen. 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