{"id":10405,"date":"2019-10-17T04:44:44","date_gmt":"2019-10-17T02:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=10405"},"modified":"2019-10-17T10:58:44","modified_gmt":"2019-10-17T08:58:44","slug":"crash-3-txa-jetzt-beim-sht","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=10405","title":{"rendered":"CRASH-3: TXA jetzt beim SHT ?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #808080\"><strong>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz:&nbsp;<\/strong><\/span><span style=\"color: #808080\"> <\/span>Gerade wurden die Ergebnisse der CRASH-3-Studie ver\u00f6ffentlicht. Die Metaanalyse von zwei vorhergehenden Studien (mit allerdings zusammen nur rund 500 Patienten) zum Nutzen von Tranexams\u00e4ure (TXA) bei Sch\u00e4del-Hirn-Trauma hat schon angedeutet, dass SHT-Patienten hinsichtlich Mortalit\u00e4t von einer TXA-Gabe profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Zehtabchi S et al. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Tranexamic Acid for Traumatic Brain Injury: A Systematic Review and Meta-analysis. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Am J Emerg Med 2014; 32: 1503-9<\/strong><\/p>\n<p><strong>doi:&nbsp;<a href=\"https:\/\/dx.doi.org\/10.1016%2Fj.ajem.2014.09.023\">10.1016\/j.ajem.2014.09.023<\/a><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Nun liegen aber endlich die Ergebnisse der sehr gro\u00df angelegten (n=12.737 Patienten) randomisiert und Placebo-kontrollierten <strong>CRASH-3-Studie<\/strong> vor. Und die Schlussfolgerung der Autoren lautet:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Our results show that tranexamic acid is safe in patients with TBI and that treatment within 3 h of&nbsp;injury reduces head injury-related death. Patients should be treated as soon as possible after injury.<\/em>\u201d<\/p>\n<p><strong>The CRASH-3 trial collaborators<\/strong><\/p>\n<p><strong>Effects of tranexamic acid on death, disability, vascular occlusive events and other morbidities in patients with acute traumatic brain injury (CRASH-3): a andomized, placebo-controlled trial. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Lancet 2019; online first; <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1016\/S0140-6736(19)32233-0\">https:\/\/doi.org\/10.1016\/S0140-6736(19)32233-0<\/a><\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Bevor jetzt aber endg\u00fcltig ein Hype um die Tranexams\u00e4ure ausbricht, lohnt sich wie immer ein genauer Blick auf die Studie.<\/p>\n<ul>\n<li>internationale, randomisierte, Placebo-kontrollierte Multicenter Studie (175 Kliniken in 29 L\u00e4ndern)<\/li>\n<li>sehr pragmatische Einschlusskriterien der Patienten:\n<ul>\n<li>SHT mit GCS \u226412 oder Nachweis einer intrakraniellen Blutung im CT<\/li>\n<li>weniger als 3 Stunden nach dem Trauma-Ereignis<\/li>\n<li>keine schwere extrakranielle Blutung<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>methodisch war die CRASH-3-Studie eng an die CRASH-2 angelehnt:\n<ul>\n<li>es wurde ebenfalls initial 1 g TXA \u00fcber 10 min appliziert, dann im Anschluss 1 g TXA \u00fcber 8 Stunden<\/li>\n<li>entscheidend f\u00fcr den Einschluss der Patienten in die Studie war auch hier die Unsicherheit des behandelnden Arztes, ob die TXA-Gabe indiziert ist oder nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>prim\u00e4rer Outcome-Parameter: durch das SHT bedingte Sterblichkeit der Patienten, die TXA innerhalb von 3 Stunden nach dem Trauma erhalten haben, nach 28 Tagen<\/li>\n<li>sekund\u00e4re Outcome-Parameter u.a.:\n<ul>\n<li>durch das SHT verursachte Sterblichkeit innerhalb von 24 Stunden nach dem Trauma<\/li>\n<li>Gesamt-Mortalit\u00e4t<\/li>\n<li>neurologisches Behandlungsergebnis<\/li>\n<li>thrombotische und embolische Ereignisse<\/li>\n<li>Krampfanf\u00e4lle<\/li>\n<li>Intensivverweildauer<\/li>\n<li>Komplikationen<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>vordefinierte Subgruppen-Analyse: da Patienten, die bereits initial einen GCS von 3 oder beidseits nicht lichtreagible Pupillen haben, meist ein sehr schlechtes Outcome haben und durch eine TXA-Gabe kein protektiver Effekt mehr zu erwarten ist, untersuchten die Autoren noch die Subgruppe der Patienten unter Ausnahme dieser o.g. Patientengruppe<\/li>\n<li>urspr\u00fcnglich war der Einschluss von 10.000 Patienten geplant. Da man sich jedoch erst nach Start der Studie dazu entschlossen hat, nur die Patienten einzuschlie\u00dfen, die innerhalb von 3 Stunden nach dem Trauma randomisiert werden konnten (und damit \u00fcbrigens auch nachtr\u00e4glich den prim\u00e4ren Endpunkt der Studie ge\u00e4ndert hat), wurde die Studiengr\u00f6\u00dfe nachtr\u00e4glich auf 13.000 Patienten erh\u00f6ht<\/li>\n<li>Untersuchungszeitraum: 20.7.2012 bis 31.1.2019 (terminiertes Ende der Studie, daher wurden nicht ganz 13.000 Patienten erreicht)<\/li>\n<li>randomisiert wurden insgesamt 12.737 Patienten<\/li>\n<li>6.359 Patienten konnten in der TXA-Gruppe ausgewertet werden (4.613 Patienten erhielten TXA innerhalb von 3 h nach dem Trauma)<\/li>\n<li>6.280 Patienten in der Placebo-Gruppe konnten ausgewertet werden (davon erhielten 4.514 Patienten das Placebo innerhalb von 3 h)<\/li>\n<li>insgesamt betrug die durch das SHT verursachte Sterblichkeit in der TXA-Gruppe 18,5% und in der Placebo-Gruppe 19,8%. Das relative Risiko (RR) betr\u00e4gt damit 0,94 (95%-Konfidenzintervall 0,86-1,02).<\/li>\n<li>in der Subgruppenanalyse (ohne die Patienten mit einem initialen GCS von 3 oder beidseits nicht lichtreagiblen Pupillen) zeigte sich eine SHT-bedingte Sterblichkeit von 12,5% in der TXA-Gruppe (485 von 3.880 Patienten) und 14,0% in der Placebo-Gruppe (525 von 3.757 Patienten). Damit betr\u00e4gt das RR 0,89 (95%-Konfidenzintervall: 0,80-1,00).<\/li>\n<li>in weiteren (im Nachhinein definierten) Subgruppen wurden folgende Ergebnisse gefunden:\n<ul>\n<li>GCS 9-15 (also mittelschweres bis leichtes SHT): RR 0,78 (95%-KI: 0,64-0,95)<\/li>\n<li>GCS 3-8 (schweres SHT): RR 0,99 (95%-KI: 0,91-1,07)<\/li>\n<li>beidseits reagible Pupillen: RR 0,87 (95%-KI: 0,77-0,98)<\/li>\n<li>einseitig nicht reagible Pupille: RR 1,03 (95%-KI: 0,94-1,13)<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"10406\" data-permalink=\"http:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=10406\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?fit=927%2C483\" data-orig-size=\"927,483\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"CRASH-3 1\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?fit=300%2C156\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?fit=927%2C483\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?resize=927%2C483\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10406\" alt=\"\" width=\"927\" height=\"483\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?w=927 927w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?resize=300%2C156 300w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?resize=768%2C400 768w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-1.png?resize=750%2C391 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 927px) 100vw, 927px\" \/><\/p>\n<ul>\n<li>der Effekt der TXA-Gabe wurde auch noch hinsichtlich des Zeitpunkts der Applikation evaluiert. Bei schwerem SHT (GCS 3-8) kann kein Effekt nachgewiesen werden, egal zu welchem Zeitpunkt TXA appliziert wurde. Bei mittelschwerem und leichtem SHT (GCS 9-15) war ein Effekt nur zu erkennen, wenn TXA &lt;3 Stunden nach dem Trauma appliziert wurde.<\/li>\n<li>auf die Gesamtmortalit\u00e4t (also nicht nur SHT-bedingt) hatte die TXA-Gabe keinen Einfluss: RR 0,96 (95%-KI: 0,89-1,04)<\/li>\n<li>das relative Risiko f\u00fcr die fr\u00fche SHT-bedingte Mortalit\u00e4t in den ersten 24 Stunden nach dem Trauma in der TXA-Gruppe betrug 0,81 (95%-KI: 0,69-0,95) und in der Subgruppe ohne die Patienten mit GCS 3 oder beidseits lichtstarren Patienten 0,72 (95%-KI: 0,56-0,92).<\/li>\n<li>Hinsichtlich des neurologischen Behandlungsergebnisses gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen, egal, ob TXA &lt;3 Stunden nach dem Trauma verabreicht wurde oder nicht und unabh\u00e4ngig von der Schwere des SHT. Bei den \u00fcberlebenden Patienten gab es hinsichtlich der Behinderung keine Unterschiede zwischen den Gruppen.<\/li>\n<li>hinsichtlich der Komplikationen gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen:\n<ul>\n<li>tiefe Venenthrombose: 0,3% in beiden Gruppen<\/li>\n<li>Lungenembolie: 0,4% in der TXA-Gruppe vs. 0,5% in der Placebo-Gruppe<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>im Unterschied zur CRASH-2-Studie erh\u00f6hte sich die Komplikationsrate nicht, wenn TXA mehr als 3 Stunden nach dem Trauma verabreicht wurde<\/li>\n<li>auch in der CRASH-3-Studie wurde \u00e4hnlich wie in CRASH-2 die Mehrzahl der Patienten in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern rekrutiert. Aus Europa stammten nur 15 Patienten aus Slowenien, 12 Patienten aus Irland, 35 aus Rum\u00e4nien, 72 aus Italien, 214 aus Albanien, 425 aus Spanien und 3.143 aus dem Vereinigten K\u00f6nigreich. Dazu nur Kanada mit 7 Patienten und Japan mit 165 Patienten als weitere Industriel\u00e4nder. Dieser gro\u00dfe Kritikpunkt wurde in der vorliegenden Studie aber von den Autoren adressiert und Hocheinkommensl\u00e4nder getrennt von L\u00e4ndern mit mittlerem oder geringem Einkommen (gem\u00e4\u00df Definition der Weltbank) ausgewertet. Hier zeigte sich in den Hocheinkommensl\u00e4ndern ein gr\u00f6\u00dferer Effekt (RR 0,76, 95%-KI: 0,55-1,04) als in den anderen L\u00e4ndern mit einem RR von 0,92 (95%-KI: 0,81-1,04).<\/li>\n<\/ul>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"10407\" data-permalink=\"http:\/\/news-papers.eu\/?attachment_id=10407\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?fit=943%2C1254\" data-orig-size=\"943,1254\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"CRASH-3 2\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?fit=226%2C300\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?fit=770%2C1024\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?resize=226%2C300\" class=\"alignright size-medium wp-image-10407\" width=\"226\" height=\"300\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?resize=226%2C300 226w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?resize=768%2C1021 768w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?resize=770%2C1024 770w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?resize=750%2C997 750w, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/CRASH-3-2.png?w=943 943w\" sizes=\"auto, (max-width: 226px) 100vw, 226px\" \/><\/p>\n<p><strong>Was bedeuten diese Ergebnisse f\u00fcr die Praxis?<\/strong><\/p>\n<p>Erneut konnte eine hervorragend durchgef\u00fchrte Studie mit enormer Bedeutung f\u00fcr die Notfallmedizin ver\u00f6ffentlicht werden. Soll also jetzt jeder SHT-Patient bereits pr\u00e4hospital mit TXA versorgt werden? Wenn man nur die Schlussfolgerung im Abstract durchliest und die Infografiken der Studiengruppe anschaut, wohl ja?<\/p>\n<ul>\n<li>Wie in den zwei gro\u00dfen vorhergehenden Studien (CRASH-2 und WOMAN) zeigt sich eine scheinbar hohe Sicherheit der TXA-Gabe ohne relevante Risiken. Allerdings ist die Rate von weniger als 1% thromboembolischen Ereignissen, die in dieser Studie berichtet werden, extrem gering. In anderen Studien kann dagegen durchaus ein erh\u00f6htes Risiko von Thromboembolien nach TXA-Gabe nachgewiesen werden.<\/li>\n<\/ul>\n<blockquote><p><strong>Myers SP et al. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Tranexamic acid administration is associated with an increased risk of posttraumatic venous thromboembolism. <\/strong><\/p>\n<p><strong>J Trauma 2019; 86:20-7.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><\/p>\n<blockquote><p><strong>Meizoso JP et al. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Tranexamic acid administration is associated with an increased risk of posttraumatic venous thromboembolism. <\/strong><\/p>\n<p><strong>J Trauma 2018; 84:426-32.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote><p><strong>Johnston LR et al. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Evaluation of Military Use of Tranexamic Acid and Associated Thromboembolic Events. <\/strong><\/p>\n<p><strong>JAMA Surg 2018; 153:169-75.<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>durch die fr\u00fchzeitige TXA-Gabe (&lt;3 Stunden nach dem Trauma) kann das relative Risiko auf den Faktor 0,94 gesenkt werden, das 95%-Konfidenzintervall \u00fcberquert mit 0,86-1,02 aber die 1,0, so dass rein statistisch gesehen nicht von einem Effekt ausgegangen werden kann<\/li>\n<li>auf die Gesamtsterblichkeit hatte die TXA-Gabe keinen Einfluss, die Ergebnisse der CRASH-3-Studie beziehen sich (im Unterschied zu CRASH-2) nur auf die SHT-bedingte Sterblichkeit. Daher ist die Aussage \u201e1 von 5 Patienten mit leichtem oder mittelschwerem SHT k\u00f6nnte durch TXA das Leben gerettet werden\u201c schlichtweg falsch.<\/li>\n<li>ein statistisch signifikanter Effekt fand sich nur in der Subgruppe der Patienten mit leichtem und mittelschwerem SHT (GCS 9-15), die allerdings in der Studie eine \u00fcberraschend hohe SHT-bedingte Sterblichkeit von 5,8 bzw. 7,5% hatten. Das war aber eine Subgruppe von Patienten, f\u00fcr die die Studie nicht ausgelegt war und die nicht vordefiniert war.<\/li>\n<li>ein weiterer Kritikpunkt, der vielen Statistikern die Tr\u00e4nen in die Augen treiben wird, ist, dass das Studienprotokoll und der prim\u00e4re Endpunkt der Studie im Nachhinein ge\u00e4ndert wurde.<\/li>\n<li>Auch die Aussage, dass 20 min Verz\u00f6gerung der TXA-Gabe die Effektivit\u00e4t um 10% reduziert, ist nicht korrekt. Die TXA-Gabe fand in der CRASH-3-Studie ausschlie\u00dflich innerklinisch statt. Vielleicht sind die Patienten, die TXA verz\u00f6gert bekamen, einfach h\u00e4ufiger SHT-bedingt gestorben, weil sie sp\u00e4ter in der Klinik waren und daher auch sp\u00e4ter operativ versorgt wurden?<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Fragen, ob TXA bereits pr\u00e4hospital beim Sch\u00e4del-Hirn-Trauma TXA eingesetzt werden soll, kann also anhand von CRASH-3 nicht beantwortet werden. Folgende Hinweise lassen sich aus der Studie ziehen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>beim leichten SHT (GCS 13-15): Nein! F\u00fcr diese Patienten liefert CRASH-3 keine Daten. Im Rahmen der Studie erhielten diese Patienten nur TXA, wenn im CT eine Blutung nachgewiesen werden konnte.<\/li>\n<li>beim schweren SHT (GCS &lt;9): entsprechend der Studie nutzt TXA hier weder, noch schadet es.<\/li>\n<li>bei mittelschwerem SHT (GCS 9-12): hier k\u00f6nnte ein Nutzen vorliegen, dies wird allerdings durch die CRASH-3 nicht klar beantwortet und m\u00fcsste weiter untersucht werden.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Bern\/Schweiz:&nbsp; Gerade wurden die Ergebnisse der CRASH-3-Studie ver\u00f6ffentlicht. 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Lier, K\u00f6ln.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Weltweit erleiden pro Jahr rund 3,4 Millionen Patienten eine intrakranielle Blutung (ICB); dies f\u00fchrt j\u00e4hrlich zu rund 2,89 Mio. Todesf\u00e4llen [10]: damit ist die ICB ist f\u00fcr etwa 5% der j\u00e4hrlichen Todesf\u00e4lle weltweit [5] verantwortlich. Bei einer ICB korreliert das Ausma\u00df der H\u00e4matomzunahme unabh\u00e4ngig\u2026","rel":"","context":"In &quot;Blutstillung&quot;","block_context":{"text":"Blutstillung","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?cat=4"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ICB.jpg?fit=1200%2C1159&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ICB.jpg?fit=1200%2C1159&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ICB.jpg?fit=1200%2C1159&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ICB.jpg?fit=1200%2C1159&resize=700%2C400 2x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/05\/ICB.jpg?fit=1200%2C1159&resize=1050%2C600 3x"},"classes":[]},{"id":11686,"url":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=11686","url_meta":{"origin":10405,"position":4},"title":"TXA bei gastrointestinaler Blutung?","author":"Michael Bernhard","date":"Juni 22, 2020","format":false,"excerpt":"Ein Beitrag von PD Dr. J\u00fcrgen Knapp, Schweiz\/Bern:\u00a0 Aktuell wurden im Lancet die lange erwarteten Ergebnisse des HALT-IT trials zum Einsatz der Tranexams\u00e4ure (TXA) bei gastrointestinaler Blutung ver\u00f6ffentlicht. Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Hype um dieses Medikament wird dadurch weiter gebremst werden. The HALT-IT Trial Collaborators: Effects of\u2026","rel":"","context":"In &quot;Gastrointestinale Blutung&quot;","block_context":{"text":"Gastrointestinale Blutung","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?cat=1802"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/TXA-scaled-e1592730108994.jpg?fit=900%2C1200&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/TXA-scaled-e1592730108994.jpg?fit=900%2C1200&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/TXA-scaled-e1592730108994.jpg?fit=900%2C1200&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/TXA-scaled-e1592730108994.jpg?fit=900%2C1200&resize=700%2C400 2x"},"classes":[]},{"id":17268,"url":"http:\/\/news-papers.eu\/?p=17268","url_meta":{"origin":10405,"position":5},"title":"Tranexams\u00e4ure beim schweren Trauma pr\u00e4hospital ?","author":"Bj\u00f6rn Hossfeld","date":"Juli 17, 2023","format":false,"excerpt":"Ein Gastbeitrag von Heiko Lier, K\u00f6ln\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Innerklinisch hat die Publikation der CRASH-2-Studie 2010 die Gabe von Tranexams\u00e4ure (TXA) bei Polytraumatisierten mit schwerer Blutung initialisiert [4]. Wurde TXA innerhalb von 3 Stunden nach Unfall infundiert, so zeigte sich eine reduzierte 28-Tage-Sterblichkeit, am ausgepr\u00e4gtesten war die Wirkung bei Applikation innerhalb von 1 Stunde\u2026","rel":"","context":"In &quot;Koagulopathie&quot;","block_context":{"text":"Koagulopathie","link":"http:\/\/news-papers.eu\/?cat=683"},"img":{"alt_text":"","src":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/NEJM-PATCH-Trial.png?fit=1200%2C748&resize=350%2C200","width":350,"height":200,"srcset":"https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/NEJM-PATCH-Trial.png?fit=1200%2C748&resize=350%2C200 1x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/NEJM-PATCH-Trial.png?fit=1200%2C748&resize=525%2C300 1.5x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/NEJM-PATCH-Trial.png?fit=1200%2C748&resize=700%2C400 2x, https:\/\/i0.wp.com\/news-papers.eu\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/NEJM-PATCH-Trial.png?fit=1200%2C748&resize=1050%2C600 3x"},"classes":[]}],"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10405","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=10405"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10405\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10420,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/10405\/revisions\/10420"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/10408"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=10405"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=10405"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/news-papers.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=10405"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}