Erfolgreich im kindlichen Atemweg

Intubation KindDie endotracheale Intubation des pädiatrischen Patienten im Notfall bietet (noch) mehr Schwierigkeiten als beim Erwachsenen.

Dies mag zum einen in anatomischen Besonderheiten (kleinere Mundhöhle mit relativ großer Zunge, höher und weiter ventral gelegener Kehlkopf, längere Epiglottis) begründet sein, zum anderen aber auch in der geringeren Routine der Durchführenden und der möglicherweise psychischen Belastung, die mit der Versorgung eines schwer kranken Kindes einher geht.

In einer retrospektiven Auswertung von 425 pädiatrischen Atemwegssicherung (davon 225 in der prähospitalen Notfallmedizin) konnten Kollegen der Schweizer Rettungsflugwacht (REGA) zeigen, dass die eingesetzten Ärzte dabei äußerst erfolgreich sind.

Schmidt AR, Ulrich L, Seifert B, Albrecht R, Spahn DR, Stein P. Ease and difficulty of pre-hospital airway management in 425 paediatric patients treated by a helicopter emergency medical service: a retrospective analysis. Scand J Trauma, Resusc Emerg Med 2016 (ahead of print) http://doi.org/10.1186/s13049-016-0212-9

So wird für die 210 Fälle, in denen prähospital eine Notfallintubation versucht wurde, ein first-pass-success für die laryngoskopische Intubation von 95,3% beschrieben und insgesamt ein Intubationserfolg von 98,6%. Von den drei Fällen, in denen keine laryngoskopische Intubation gelang, konnten zwei mittels Larynxmaske suffizient ventiliert werden. Lediglich für einen Patient mit einer hemifazialen Dysplasie (M. Goldenhar) bestand in einer Reanimationssituation eine „cannot intubate, cannot ventilate“-Situation, bei der in Anbetracht der bereits lange vorbestehenden Hypoxie kein chirurgischer Atemweg mehr versucht wurde.

Die Autoren diskutieren darüber hinaus die Wahl der Tubusgröße und die dokumentierte Intubationstiefe in Relation zum Alter der Patienten. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Tuben tendenziell eher zu groß gewählt und zu tief platziert würden v.a. bei Kindern im ersten Lebensjahr und in Reanimationssituationen, ohne jedoch einseitige Ventilationen oder Trachealläsionen zu beschreiben.

Beeindruckend sind die beschriebenen Qualifikationen der REGA-Notärzte:

  • mindestens 1 Jahr Anästhesie
  • mindestens 4 Jahre Notfallmedizin
  • zertifizierter Reanimationsstandard nach AHA oder ERC
  • ATLS (Advanced Trauma Life Support) – Provider
  • 3-6 Monate Kinderanästhesie/-intensiv
  • PALS (Advanved Pediatric Life Support) – Provider

Ein beeindruckender Standard, der beispielgebend für viele Notarztdienste sein könnte …

One thought on “Erfolgreich im kindlichen Atemweg

  1. Beindruckende Zahlen die zeigen, dass bei entsprechender Ausbildung und Qualifikation auch in der präklinischen Notfallmedizin sehr gute Ergebnisse zu erzielen sind. Hier kann man sich nur ein Beispiel nehmen und auch in unserem Land auf ähnlich gut ausgebildete Notärzte hoffen.

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