Umfrageergebnisse der IST-Analyse zum Konservativen Schockraummanagement

In Notaufnahmen kommen bundesweit nichttraumatologische kritisch kranke Patienten zur Aufnahme. Zur Struktur, Organisation und Ausstattung des nichttraumatologischen Schockraummanagements ist bisher wenig bekannt. Mittels einer Umfrage der Arbeitsgruppe „Schockraum“ der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin sollte daher der Ist-Zustand analysiert werden.

Michael M, et al. Aktuelle Ist-Analyse zur Situation des nichttraumatologischen Schockraummanagements in Deutschland. Notfall Rettungsmed https://doi.org/10.1007/s10049-020-00827-z 

PDF des Beitrages: https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-020-00827-z

Methodik

Durch die Arbeitsgruppe „Schockraum“ der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) wurde mittels E-Mail den 420 ärztlichen Leiter*Innen des DGINA-Mitglie- derregisters eine Onlineumfrage zugesendet. Zwei Wochen nach initialem Anschreiben erfolgte eine Erinnerung. Die Ergebnisse wurden in einer anonymisierten Datenbank extrahiert und ausgewertet.

Ergebnisse

  • Rücklaufquote von 131 verwertbaren Antworten: 31%
  • erfasst wurden Krankenhäuser der
    • Basis- 24%
    • erweiterten: 39% und
    • umfassenden Notfallversorgung: 37%
  • jährlichen Patientenkontakte
    • Basis- 21.000
    • erweiterten: 31.000 und
    • umfassenden Notfallversorgung: 39.000
  • Monitorplätze in den Notaufnahmen
    • Basis-: 9±4
    • erweiterten: 13±6
    • umfassende Notfallversorgung: 18±10
  • die Betten der assoziierten Notaufnahmestationen
    • Basis-: 4±5
    • erweiterten: 10±17
    • umfassende Notfallversorgung: 13±12
  • verfügbare Schockräume
    • Basis: 1±1
    • erweiterten: 2±1
    • umfassende Notfallversorgung: 3±1
  • Schockraumgröße
    • Basis-: 31±16
    • erweiterten: 35±9
    • umfassende Notfallversorgung: 38±14 m2
  • Ausstattungsmerkmale (Basis-, erweiterten und umfassende Notfallversorgung)
    • Röntgenlafette: 58 vs. 65 vs. 78 %
    • Computertomographie im Schockraum: 6 vs. 12 vs. 27 %
    • Kühlungssysteme in 30 % in allen Versorgungsstufen
    • Videolaryngoskopie: 65 vs. 80 vs. 86 %
    • Bronchoskopie: 29 vs. 22 vs. 45 %
    • REBOA: 3 vs. 5 vs. 12 %
    • ACCD: 26 vs. 57 vs. 61 %
Abbildung: Ausstattung für das nichttraumatologische Schockraummanagement in den befragten Notaufnahmen. Angabe in % und unter Berücksichtigung der G-BA-Stufen (B-NV Basis- notfallversorger, E-NV er- weiterte Notfallversor- gung, U-NV umfassende Notfallversorgung). CT Computertomogra- phie, POC(T) Point-of- care(-Test), konv. kon- ventionell, REBOA „re- suscitative endovascular balloon occlusion of the aorta“, ACCD „automated chest compression device“, EK Erythrozytenkonzentrat, ext. extern, int. intern (Abbildung aus https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-020-00827-z)

Abbildung: Notfallprozeduren, die im nichttraumatologischen Schockraummanagement in den befragten Notaufnahmen durchgeführt werden. Angabe in % und unter Berücksichtigung der G-BA-Stufen (B-NV Basisnotfallversorger, E-NV erweiterte Notfallversorgung, U-NV umfassende Notfallversorgung). ECLS „extracorporeal life support“, eCPR extrakorporale Reanimation. (Abbildung aus https://link.springer.com/article/10.1007/s10049-020-00827-z)

Schlussfolgerung

  • Die vorliegenden Ergebnisse zeigen erstmals den Ist-Zustand der nichttraumatologischen Schockraumversorgung in verschiedenen Versorgungsstufen in Deutschland. Empfehlungen zu Ausstattungsmerkmalen für das nichttraumatologische Schockraummanagement müssen zukünftig formuliert werden.
  • Relevante strukturelle, organisatorische und ausstattungstechnische Vorhaltungen für die nichttraumatologische Schockraumversorgung werden nach den Ergebnissen der vorliegenden Umfrage bereits heute in Deutschland in Notaufnahmen aller Versorgungsstufen vorgehalten.
  • Die Ausweitung der fach- bzw. ober- ärztlichen Präsenz in zentralen Notaufnahmen muss auch im Spät- und Nachtdienst etabliert werden.
  • Einheitliche Alarmierungskriterien für die Auslösung eines nichttraumatologischen Schockraums müssen entwickelt werden.
  • Personelle Vorgaben auch hinsichtlich eines Facharztstandards in der Versorgung sind für das nichttrauma- tologische Schockraummanagement zu etablieren. Möglicherweise ist die Zusatzbezeichnung „Klinische Akut- und Notfallmedizin“ ein zu forderndes Qualifikationskriterium.
  • Für einzelne Ausstattungsmerkmale (z. B. Videolaryngoskopie, Bronchoskopie, intraossäre Punktionssysteme, INR-Messgeräte) scheint noch Anschaffungsbedarf zu bestehen.
  • Aus Sicht der Befragten besteht die Notwendigkeit, ein an die Erfordernisse des nichttraumatologischen Schockraummanagements angepasstes Ausbildungskonzept zu entwickeln.
  • Weitere statistische Erhebungen zu dieser Thematik unter Berücksichtigung von weiteren Qualitätsindikatoren und Prozesskriterien erscheinen aus Sicht der Versorgungsforschung sinnvoll.

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