HWS-Immobilisation

Ein Gastbeitrag von Ulf Harding: Die Frage nach der „richtigen“ HWS-Immobilisation ist seit ein paar Jahren in der Diskussion. Während Verletzungen des Rückenmarkes vergleichsweise selten sind, können sie zu erheblichen Konsequenzen für den Patienten führen. Daher sehen die Kurskonzepte zur Traumaversorgung eine Immobilisation der Wirbelsäule bereits im Rettungsdienst vor. Durch intensive Schulungen hat wohl jeder Mitarbeiter im Rettungsdienst die mögliche Beteiligung der Wirbelsäule bei Traumapatienten verinnerlicht.

Unsere dänischen Nachbarn haben bereits 2018 eine nationale Leitlinie erarbeitet, die auf eine Zervikalstütze verzichtet. Der Fokus der Immobilisation richtet sich hier auf die Klinik des Patienten und erfolgt bei Bedarf mit Kopf-Fixiersets auf einer Vakuummatratze.

Maschmann C, Jeppesen E, Afzali Rubin M et al. New clinical guidelines on the spinal stabilisation of adult trauma patients – consensus and evidence based. Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine (2019) 27:77. https://doi.org/10.1186/s13049-019-0655-x

Maschmann C, Rudolph M. Die Zervikalstütze für Traumapatienten – seit 2018 obsolet? Neue Nationale Klinische Leitlinien 2018 für die spinale Stabilisierung erwachsener Traumapatienten in Dänemark. Notarzt 2019; 35

Jetzt hat der South East Coast Ambulance Trust in England einen vollständigen Verzicht auf HWS-Schienen zur Immobilisation bei Patienten mit Verdacht auf Verletzungen der Wirbelsäule bekanntgegeben.

Das Vorgehen für „Standardpatienten“ besteht jetzt in einer manuellen in-line Stabilisierung, gefolgt von einem Kopf-Fixierset. Die Umlagerung erfolgt mittels Schaufeltrage mit anschließender Lagerung auf einer Vakuummatratze.

Bei „nicht-Standardpatienten“, gemeint sind zum Beispiel ältere Patienten oder solche mit vorbestehenden Wirbelsäulenerkranungen, sei eine Lagerung auf einer Schaufeltrage oder einem Spineboard nicht vorteilhaft. Hier erfolgt der Transport in einer für den Patienten angenehmen Haltung. Um das weiterversorgende Krankenhaus darauf hinzuweisen, daß die Wirbelsäule nicht wie gewohnt immobilisiert ist, werden die Patienten mit einem speziellen Band gekennzeichnet.

Das Vorgehen soll durch das Joint Royal Colleges Ambulance Liaison Committee (JRCALC) in die nationalen Leitlinien für das Vereinigte Königreich übernommen werden.

Es bleibt spannend zu sehen, wie sich die veränderte Vorgehensweise in der Traumaversorgung auf das Patientenoutcome auswirken wird.

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