Notfallmedizin: „Ort der Leidenschaft“

ecg_herzEin Beitrag von PD Dr. med. Jürgen Knapp, Bern, Schweiz: 

Weihnachten, das Fest der Liebe! Was sagt aber die Literatur zur Liebe in der „medizinischen Literatur“, also Arztromanen?

Brendan D. Kelly: Medical romance: love never dies. Lancet 2016, 388:2989.

Dabei handelt es sich sogar um eine Langzeit-Follow-up-Studie. Bereits 2007 wurden 20 zufällig ausgewählte Arztromane von Brendan Kelly systematisch ausgewertet. Das Ergebnis damals zeigte, dass alle Romane romantische Darstellungen heterosexueller Partner enthielten. Meistens fand die Liebesbeziehung ihre Anfänge während der Tätigkeit der Protagonisten in der Grundversorgung (n=7) oder im notfallmedizinischen Bereich (n=7).

Alle männlichen Protagonisten waren Ärzte, 11 der weiblichen Hauptdarsteller waren Ärztinnen. Die Ärzte waren fachlich brilliant, groß, muskulös und mit markanten Gesichtszügen dargestellt und waren meist von mediterranem Typ. Die Ärztinnen waren fachlich begabt, schön, entschlossen und mitfühlend. Alle Protagonisten hatten ihr Privatleben zugunsten ihrer Patienten vernachlässigt, die meist an schweren/lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Verletzungen litten, sich aber meist im Lauf der Handlung davon erholten.

10 Jahre später hat Brendnan Kelly die Auswertung an 20 aktuellen Romanen wiederholt. Wie schon bei der Erstuntersuchung waren in allen 20 Romanen heterosexuelle romantische Handlungen überwiegend zwischen Arzt und Ärztin zu finden. Wieder sind 11 Ärztinnen zu identifizieren (n=3 Chirurginnen, n=3 Internistinnen und n=2 Kinderärztinnen). Im Unterschied zu 2007 waren jedoch von den 20 männlichen Protagonisten nur noch 18 Ärzte. Die zwei restlichen Positionen wurden von einem Krankenpfleger und einem Notfallsanitäter besetzt. Dieser Trend weg von den Ärzten war aber statistisch nicht signifikant (p=0,487).

Im Gegensatz dazu konnte klar festgestellt werden, dass in den vergangenen 10 Jahren offensichtlich Romanzen signifikant häufiger im stationären Bereich auftreten als in der ambulanten Versorgung: 15% (3 von 20 Fällen) im Jahr 2007 vs. 65% (13 von 20 Fällen) 2016, p=0,014. Dass der notfallmedizinische Bereich auch 2016 besonders häufig als „Ort der Leidenschaft“ beschrieben wird, bestätigt die Ergebnisse Kellys von 2007. Insbesondere, wenn der Rettungshubschrauber zum Einsatz kommt, ist die Rate an „Liebeleien“ hoch. Daneben scheinen pädiatrische Abteilungen besonders „liebevoll“ zu sein.

Zusammenfassend bleibt festzustellen: Liebe hat offenbar eine heilende Wirkung und triumphiert über alles.


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